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Machete - Alte Männer, schöne Frauen und viel Schund

18. November 2010image

Machete - Alte Männer, schöne Frauen und viel Schund

Er ist Mexikaner, man hat seine Familie umgebracht, er will Rache und er besitzt eine Machete. Ein blutroter Leinwandkrimi im Stile längst vergangener Filmzeiten, der vor übertriebener Gewalt und derben Sprüchen nicht zurückschreckt. Doch auch wenn alles nicht so ernst gemeint ist, muss man fragen: Wie originell ist das Ganze noch?

Regisseur und Drehbuchautor Robert Rodriguez setzt auf eine altbewährte Handlung: Der Held des Films, genannt Machete, wird verraten und seine Familie ermordet. Jahre später gerät er durch Zufall erneut in die verbrecherischen Kreise aus Korruption, politischen Machenschaften und Drogen – jene, die auch seine Frau und seine Tochter auf dem Gewissen haben. Aber er will nicht nur Rache: Gefolgt von revolutionären mexikanischen US-Einwanderern will er die Geschäfte seiner Gegner für immer beenden.

Besetzt hat Rodriguez diese Geschichte mit all seinen alten Lieblingsfilmhelden: Steven Seagal (»Alarmstufe Rot«), Don Johnson (»Miami Vice«), Robert De Niro (»Taxi Driver«), zum Beispiel. Den alten Männern stellt er, um das Gleichgewicht seines Trash-Streifens zu halten, junge Frauen zur Seite wie Jessica Alba (»Sin City«), Michelle Rodriguez (»Lost«) oder Lindsay Lohan (viele bunte Komödien, an die sich keiner erinnern will). Dass er mit diesem Rezept erfolgreiche Filme machen kann, hat Rodriguez schon bewiesen: »Sin City«, »From Dusk Till Dawn« oder eines seiner ersten Werke, »El Mariachi « sind nur einige davon. Die Idee, alte Filmhelden zu besetzen und den sentimentalen Glanz alter Actionfilme neu aufleben zu lassen, ist nichts Neues. Filme wie »The Expendables« oder »RED«, die gerade im Kino laufen, tun das Gleiche.

Im Unterschied zur Konkurrenz macht Rodriguez solche Filme schon seit Längerem. Und er versteht sein Handwerk. Mit Quentin Tarantino (»Inglorious Basterds«) arbeitete er zuletzt an »Grindhouse«, einem doppelten Film, der aus den Streifen »Death Proof« und »Planet Terror« besteht. Für diesen drehte Rodriguez damals den Trailer zu einem Film, den es bis dahin noch gar nicht gab und nannte diesen »Machete«, erst danach fasste er den Plan, einen ganzen Film daraus zu machen. Mit Tarantino verbindet ihn nicht nur eine Freundschaft, sondern
auch die Liebe zur sogenannten »pulp fiction« – der Schundliteratur, Groschenromane, die vor  Blut, Sex und Gewalt triefen, und in der Jugendzeit Tarantinos und Rodriguez massenhaft verbreitet waren. Doch was in den 90ern neu und anrüchig war, ist mittlerweile normaler Bestandteil der Kinolandschaft, die danach verlangt, andere Wege zu gehen. Doch das spürt man bei »Machete« leider nicht. Für Fans des Genres ist der Film dennoch das, was er verspricht: Viel Spaß mit einem Spritzer Kunstblut drauf – oder war es umgekehrt?

»Machete«
Start: 18.11.2010 | Länge: 105 Minuten
Regie: Robert Rodriguez
Darsteller: Danny Trejo, Jessica Alba,
Robert De Niro

Autor: Sven Jungnickel

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