oder kostenlos bei uns mitmachen

Ratgeber & Service

image

Hat das Kino nach Corona noch eine Zukunft?

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Gerade glaubten die Kinobetreiber in Deutschland, die Probleme der Coronakrise überwunden zu haben. Dürfen sie doch wie auch die Clubs seit Kurzem ihre Säle unter Berücksichtigung der 3G-Regeln wieder öffnen. Doch schon zieht neues Ungemach am Horizont auf. Zahlreiche Streamingdienste wie Netflix, HBO Max und Disney+ treten in direkte Konkurrenz und zeigen sie viele Neuerscheinungen zeitgleich mit den großen Filmhäusern.

Die Kinobetreiber sehen darin zwar eine Gefahr, doch sei die Kinobranche keinesfalls dem Untergang geweiht. Schon bei der Einführung des Fernsehens war das Kino totgesagt worden, erlebte dann aber einen jahrzehntelangen Aufschwung. Nun setzen sie auf die Politik und investieren in den Komfort. Zudem glauben sie, dass sich beide Geschäftsmodelle gegenseitig anschieben. Die Ankündigung von AMC, der größten Kinokette der Welt, dass ab 2022 Warner-Filme wieder exklusiv zuerst im Kino zu sehen sein werden, bestätigt diesen Optimismus.

Das Kino als Ort der Begegnung

Oliver Fock, Geschäftsführer der CineStar-Gruppe, rechnet damit, dass es die Menschen nun leid seien, Filme nur auf dem heimischen Sofa zu konsumieren. Er setzt auf das Gemeinschaftserlebnis, das Kino als Ort der Begegnung. Neuerscheinungen wie der neue James-Bond-Film “Keine Zeit zum Sterben” oder “Dune” enthält auch das Kinoprogramm für Krefeld, mit weitaus intensiverem Filmerlebnis. Der Filmspaß im Kino auf Großleinwand und in Dolby Surround sei mit den kleinen Heimkinos nicht zu bewerkstelligen.

Werden Streaming-Dienste wie Netflix das Kino bald überflüssig machen?

Ungemach drohte der Branche vom US-Filmgiganten Warner, der in diesem Jahr 17 Filme nicht nur in den Kinos anbietet, sondern zeitgleich auf dem hauseigenen Streamingdienst HBO Max.  Darunter befinden sich “Godzilla vs. King Kong” “Matrix 4” und “Dune”. Bisher galt die Vereinbarung, dass Kinofilme zuerst den Kinos für 70 bis 90 Tage exklusiv zur Verfügung stehen, bevor sie dem Handel in Form von DVD sowie Free- und Pay- TV zugänglich gemacht werden.

Auch Disney, der größte Medienkonzern der Welt, forciert die Filmstarts auf eigenen Streamingdiensten. Die Unternehmensstruktur soll dahingehend geändert werden, dass das “Direct-to-consumer”-Geschäft beschleunigt wird. Zukünftig sollen die Nutzer selbst entscheiden, ob ein Film zuerst in den Kinos oder als Stream verfügbar sein wird. Dieses Verhalten ist vor dem Hintergrund zu bewerten, dass der Konzern wegen Corona empfindliche Einbußen bei seinen Familienparks verzeichnet. Es bleibt zu befürchten, dass auch die europäischen Kinos von dieser Entwicklung betroffen werden könnten.

Streaming-Nutzer sind auch Kinogänger

Allerdings weist Frank Thomsen, der Geschäftsführer der Hamburger CinemaxX. Gruppe daraufhin, dass Streamingdienste einen anderen Anspruch als das Kino bedienen. “Beide Geschäftsmodelle eint nur, dass sie ein filmaffines Publikum ansprechen. In dieser Gruppe gehen 50 Prozent ins Kino”, gegenüber 38,5% in der Gesamtbevölkerung. Die Geschäftsmodelle stünden deswegen nicht in Konkurrenz, sondern würden sich gegenseitig befruchten.

Das Kino wird nicht aussterben

Christine Berg, die Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands HDF Kino, betont die Notwendigkeit einer “zeitlichen Exklusivität”. Sie zählt auf alle Beteiligten der Branche und der Politik, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der “Umfang und die Diversität von Kino als elementares Kultur- und Freizeitangebot erhalten” bleibe. Berg fordert nach dem Vorbild Frankreichs für Deutschland eine Sicherstellung des Kinofensters, auch für internationale Filme.

Kino-Erlebnisse sind nicht zu ersetzen

Während der von Sars-CoV-2 bedingten Schließung haben die Kinobetreiber reagiert. Vor allem die großen Filmhäuser setzen auf eine bessere Ausstattung mit gehobenem Service. So wurden vielerorts die Sessel ausgetauscht oder mit absenkbaren Rückenlehnen und Fußteil ausgestattet. Jeder Besucher findet nun seine individuell bequemste Position mit optimalem Blick auf die Leinwand.

Große US-Filmgiganten rudern zurück

Die Kinobetreiber erhalten Rückenwind durch die Regisseure und Schauspieler. Diese machen sich Sorgen, dass ihre Werke auf kleinen TV-Bildschirmen ohne aufwendige Audiobegleitung nicht im rechten Licht erscheinen.

Zudem wissen Disney & Co., dass ein Blockbuster nur dann finanziell erfolgreich ist, wenn er zeitgleich in allen Kinos weltweit anläuft. So zumindest ist die Ankündigung von Warner zu verstehen. Der Filmriese möchte ab 2022 den Sonderfall Corona abhaken und den Kinos wieder 45 Tage Exklusivität einräumen.

News von: Jakob Baumgärtel, 12.10.2021

CITY-TIPPS

  • location_flyer

    Privé

    Schifferstr. 220
    Duisburg