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Durch Neuss gefiltert: Fillie Granata

Häufig scheuen HipHop-Artists die Bescheidenheit und neigen zur Übertreibung. Eine Feststellung, die auf Fillie Granata höchstens zur Hälfte zutrifft – immerhin ordnet er sich selbst als „Deutschlands am längsten erfolglosen Rapper“ ein. Während der 35-jährige („im Herzen 28“) anderen Menschen im bürgerlichen Leben als Sozialarbeiter zur Seite steht, widmet er seine Freizeit dem eigenen Traum: Dem sagenumwobenen Durchbruch als Musiker.

Inwiefern hat die Stadt Neuss deine Musik geprägt?
Ich bin hier geboren und aufgewachsen, natürlich spielt Neuss eine große Rolle für mich. Alles, was ich fühle, sehe und denke, versuche ich 1:1 wiederzugeben – insofern ist Neuss quasi der Filter, durch den meine Musik läuft. Nichtsdestotrotz vermisse ich ein bisschen den Neusser Support, da die Leute von hier etwas faul sind, wenn es um ihre Kunstschaffenden geht. Ich sehe das ja auch an meinen Top-Städten bei Spotify, wo Köln, Düsseldorf, Hamburg und sogar Wien noch vor Neuss liegen.

Was kannst du uns zu deinem aktuellen Album erzählen?
Das gibt es seit März, es heißt „Irgendwas dazwischen“ und ist inspiriert vom echten Leben. Ich muss viel erleben, damit ich etwas schreiben kann… und der Albumtitel spielt auf eine Entwicklung an, die ich durchgemacht habe. Da war noch viel Struggle, den ich mit mir selbst zu klären hatte und den ich ins Album einbringen konnte. Ich nehme Hörer komplett in meine Seele mit und das ist mal geil, mal scheiße – eben „Irgendwas dazwischen“.

Wie lange hast du an der Platte gearbeitet?
Eigentlich ist das Album innerhalb von drei Wochen entstanden, brauchte bis zur Veröffentlichung aber drei Jahre. Aufgrund von Komplikationen und Punkten, die in diesem Business einfach schwierig sind… viele Köche verderben den Brei.

Fühlst du dich grundsätzlich überhaupt dazu bereit, aus Musik eine richtige Karriere zu machen, so mit allen Flüchen und Segen des Geschäfts?
Absolut ist es mein Traum, von der Musik zu leben. Aber das Problem sind die Rahmenbedingungen, unter denen dieser nächste große Schritt stattfinden soll. Wie wird dieser Erfolg denn eigentlich hergestellt? Ich wollte es immer schaffen, ohne meine Seele zu verkaufen.
Gleichzeitig bin ich ein bequemer Typ – also nicht im Sinne von „Geil, ich muss nur zehnmal im Jahr auftreten“. Ich würde am liebsten jeden Tag auftreten! Weil es das einzige Ding ist, was mich glücklich macht und wo ich Zeitlosigkeit fühle. Ich merke gar nichts von irgendeinem Stress, auf der Bühne ist es die absolute Glückseligkeit. Speziell für Konzerte bräuchte ich also den richtigen Mittelsmann, der sich um sowas kümmert. Mir fehlt kein Manager, der mir ein TikTok-Posting empfiehlt, sondern jemand mit Knowhow und vielen guten Kontakten zu DJs oder HipHop-Locations. Bis dahin bleibe ich Deutschlands am längsten erfolgloser Rapper… mit der größten Leidenschaft!

Wer Fillie Granata live erleben und das Rap-Bewusstsein der Stadt unter Beweis stellen möchte, sieht ihn am Fr., 17. und Sa., 18. November bei Neuss Now im Haus der Jugend auf der Bühne.

News von: Robert Gutowski, 19.03.2024

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