oder kostenlos bei uns mitmachen

NEWS - Regional

image

Kleine Schritte für ein gelingendes Miteinander: Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ fördert Projekte für Demokratie und Toleranz mit knapp 60.000 Euro

PR

Die Projekte „Get in Touch“ des USG – Universitätssportgemeinschaft Chemnitz e.V., „Begehungen“ des Begehungen e.V. Chemnitz sowie „Berufliche Integration von Ausländern“ des Bildungswerks der sächsischen Wirtschaft e.V, Zweigstelle Chemnitz erhalten Umsetzungsförderungen der Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ in Höhe von bis zu 15.000 Euro. Darüber hinaus werden mehrere Projekte mit Sonderpreisen geehrt. Auf einer Preisverleihung im Rahmen des Fachkräftekongresses „Ankommen in Chemnitz“ wurden die Projekte am Abend des 14. Februar 2019 ausgezeichnet.

Sie waren unter zwölf nominierten Projekten durch die Öffentlichkeit sowie durch die Gremien und Mitglieder des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. sowie des Branchenverbands Kreatives Chemnitz e.V. als Träger der Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ gekürt worden. Insgesamt werden Förderungen von knapp 60.000 Euro ausgereicht.

„Mit den ausgewählten Projekten fördern wir Ideen, die geeignet sind, den innergesellschaftlichen Dialog in Chemnitz und die Kommunikation zwischen Zuwanderern und einheimischer Bevölkerung zu fördern“, erklärt Katrin Hoffmann, Geschäftsführerin des Industrieverein Sachsen 1828 e.V.. Frank Müller, Vorstand des Kreativen Chemnitz e.V., ergänzt: „Uns ist bewusst ist, dass jedes Projekt für sich nur ein kleiner Schritt für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander ist – doch genau diese kleinen Schritte müssen wir gehen, um die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden.“

„Get in Touch“ der USG Chemnitz setzte sich im Votum der Öffentlichkeit durch, das vom 5. bis zum 12. Februar über die Facebook-Präsenz und die Webseite von „Chemnitz ist weder grau noch braun“ ausgetragen wurde. Das Projekt erreichte über 1.000 Stimmen. Die Universitätssportgemeinschaft will mit „Get in Touch“ ungewöhnliche Sportarten wie Cricket, Rugby und Frisbee an Chemnitzer Schulen bringen – vermittelt durch Sportler aus Ländern, in denen diese Sportarten große Popularität genießen. Das Projekt erhält insgesamt bis zu 15.000 Euro für Idee und Umsetzung und will damit auch eine Spielstätte in Chemnitz für die Sportarten ertüchtigen – so soll „Get in Touch“ noch mehr Strahlkraft erhalten.

Das Projekt „Berufliche Integration von Ausländern“ des Bildungswerks der sächsischen Wirtschaft setzte sich im Voting des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. durch. Das Projekt will Best-Practice-Beispiele für die soziale und berufliche Integration von Ausländern in regionale Unternehmen schaffen: Sprachkursbegleitende Praktika, Bewerbertrainings und die individuelle Vermittlung in Arbeit und Ausbildung sind die dafür gewählten Instrumente. Zugleich will das Projekt Unternehmen und Verwaltungen für die Besonderheiten bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer sensibilisieren und so Best-Practice-Beispiele schaffen. Dafür erhält es eine Förderung von insgesamt 15.000 Euro für Idee und Umsetzung.

Den Preis des Kreativen Chemnitz e.V. erhält der Begehungen e.V. Chemnitz, Veranstalter des jährlichen Festivals „Begehungen“. Das Festival bespielt jährlich verlassene Orte in Chemnitz mit Kunst unterschiedlichster Facetten und öffnet damit neue Perspektiven. Mit der Förderung soll das Begleitprogramm 2019 ausgebaut werden, um bereits Wochen vor dem offiziellen Festivalbeginn mit Diskussionen, Lesungen, Filmvorführungen oder Konzerten auf das Jahresthema einzustimmen. Auch das Rahmenprogramm während der Festivaltage soll erweitert werden. Dafür stellt „Chemnitz ist weder grau noch braun“ insgesamt 15.000 Euro für Idee und Umsetzung zur Verfügung.

Darüber hinaus werden 1.000 Euro für die Idee und 4.000 Euro für die Umsetzung als Sonderpreis der Öffentlichkeit an das Projekt „POCHEN“ des Spinnerei e.V. Chemnitz vergeben. Das Preisgeld wird durch die Volksbank Chemnitz e.G. gestiftet, die auch das Crowdfunding von „Chemnitz ist weder grau noch braun“ begleitet hat. Mit dem Sonderpreis will die Volksbank gleichermaßen den nur knapp verpassten Sieg des Projekts beim Online-Voting und die Bedeutung des Festivals für die Kultur in Chemnitz würdigen. „POCHEN“ versteht sich als Biennale, die multimedial Geschichte und Geschichten rund um Stadt und Region erzählt. Mit dem Preisgeld soll im Herbst 2019 ein Symposium zur Vorbereitung von „POCHEN“ 2020 unterstützt werden.

Ideenförderungen in Höhe von 1.000 Euro und eine zusätzliche Umsetzungsförderung von jeweils 500 Euro erhalten darüber hinaus die Projekte „Anatevka“ des Küchwaldbühne e.V. und die private Initiative „Ein Song für Chemnitz“. Die Umsetzungsförderungen werden vom Rotaryclub Chemnitz-Schlossberg zur Verfügung gestellt: „Beide Projekte vermitteln den Bürgern und Gästen der Stadt wichtige Botschaften von Toleranz und Respekt“, so Thomas Schröder, Mitglied des Clubs.
Weitere sieben Projekte, die von den Unterstützern der Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ für die Umsetzungsförderung nominiert waren, werden darüber hinaus mit einer Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro gewürdigt.

Hintergrund:

Nach den Ereignissen im Spätsommer 2018 in Chemnitz, als in Folge eines Tötungsverbrechens zahlreiche Demonstrationen und Gegendemonstrationen die Stadt in Unruhe versetzten, formierte sich auf gemeinsame Initiative des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. sowie des Branchenverbands Kreatives Chemnitz e.V. ein breites Bündnis aus Privatpersonen, Unternehmern, Wissenschaftlern, Vereinen, Institutionen und Unternehmen. Unter dem Motto „Chemnitz ist weder grau noch braun“ sollte gezeigt werden, „dass in unserer Stadt die Mehrheit demokratisch und offen denkt.“ Im Rahmen eines Fundraisings wurden über 250.000 Euro akquiriert. Ein Teil des Aktionsbudgets (27.000 Euro) wurde der Familie des Opfers des Tötungsverbrechens überlassen. Ein zweiter Teil floss in öffentlichkeitswirksame Aktionen, darunter die Unterstützung der „Montagskonzerte“ im September/Oktober 2018 und weitere Veranstaltungen. Die dritte Säule von „Chemnitz ist weder grau noch braun“ ist die Unterstützung demokratiefördernder oder integrationsfördernder Projekte, die im Call for Projects ihren Ausgang fand und durch die Preisverleihung am 14. Februar 2019 und die anschließende Begleitung der siegreichen Projekte abgeschlossen wird.

Die ausgezeichneten Projekte
„Get in Touch“
(Preis der Öffentlichkeit und Umsetzungsförderung von bis zu 15.000 Euro)
Get in Touch – andere Länder, andere Sportarten: Ungewohnte Sportarten wie Rugby, Cricket oder Frisbee bringen neue körperliche und geistige Anregungen. Sportliche Regeln zeigen, dass Spaß nur der hat, der sich an diese Verabredungen hält. Bei „Get in Touch“ vermitteln internationale Spieler die Kultur ihres Heimatlandes und den Teamgeist, der sich im gemeinsamen Streben nach sportlicher Verbesserung entwickelt. Ein Programm an Schulen bringt Bewegung, Vielfalt und Respekt in den Schulalltag.
„Berufliche Integration“
(Preis des Industrievereins Sachsen 1828 e.V. und Umsetzungsförderung von bis zu 15.000 Euro)
Individuelle Begleitung fördert die soziale und berufliche Integration von Ausländern in regionale Unternehmen: Sprachkursbegleitende Praktika, Bewerbertrainings und die individuelle Vermittlung in Arbeit und Ausbildung sind die dafür gewählten Instrumente. Zugleich will das Projekt Unternehmen und Verwaltungen für die Besonderheiten bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer sensibilisieren und so Best-Practice-Beispiele schaffen.
„Begehungen“
(Preis des Kreativen Chemnitz e.V. und Umsetzungsförderung von bis zu 15.000 Euro)
Das Festival „Begehungen“ bespielt jährlich in Chemnitz verlassene Orte mit Kunst unterschiedlichster Facetten und öffnet damit neue Perspektiven. Mit der Förderung soll das Begleitprogramm 2019 ausgebaut werden, um bereits Wochen vor dem offiziellen Festivalbeginn mit Diskussionen, Lesungen, Filmvorführungen oder Konzerten auf das Jahresthema einzustimmen. Auch das Rahmenprogramm während der Festivaltage soll erweitert werden.
„Pochen“
(Ideenförderung von 1.000 Euro, Sonderpreis der Öffentlichkeit, gestiftet von der Volksbank Chemnitz e.G., und Umsetzungsförderung von 4.000 Euro)
Chemnitz hat endlich eine Biennale: POCHEN. Alle zwei Jahre erzählt POCHEN Geschichte und Geschichten rund um die Region. Dabei fokussiert die Biennale ein Thema, das eng mit der Stadt, ihren Menschen, ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und vor allem mit ihrer Identität verbunden ist – und zwar multimedial: Mit Malerei, Klang, Worten, Installationen und Licht, audiovisuell, performativ, szenisch. 2019 werden die Macher:innen von POCHEN die nächste Biennale 2020 vorbereiten: Dafür findet im Oktober 2019 ein Symposium statt, das sich als eine Schnittstelle zwischen Kunst, Technik, Wissenschaft und Gesellschaft versteht.
„Anatevka“
(Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro, Sonderpreis des Rotaryclubs Chemnitz-Schlossberg, Umsetzungsförderung von 500 Euro)
Mit „Anatevka“ soll ein weltbekanntes Musical auf die Küchwaldbühne gebracht werden, das vom Ringen zwischen Tradition und Zeitgeist, von Willkür und Menschlichkeit erzählt. Die Darsteller – Laien und Profis aller Altersgruppen unterschiedlichster sozialer oder ethnischer Herkunft – setzen sich während der Stückerprobung mit jüdischer Kultur und Antisemitismus auseinander und begegnen dabei auch den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Chemnitz.
„Ein Song für Chemnitz“
(Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro, Sonderpreis des Rotaryclubs Chemnitz-Schlossberg, Umsetzungsförderung von 500 Euro)
„Ein Song für Chemnitz“, Bands und Chöre, Hobbymusiker und Profis in friedlicher Gemeinschaft: Geplant ist eine Art musikalischer Flashmob in der Chemnitzer Innenstadt, bei dem der Song „This is me“ von Keala Settle dargeboten wird – eine Hymne gegen Ausgrenzung und für Toleranz. Die filmische Dokumentation der Aktion soll das Bild von einem friedlichen und bunten Chemnitz in die Welt transportieren, in dem Musik die Menschen verbindet.
„Demokratietheater“ (Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro)
Mit der Projektförderung entsteht bei “Urania – Wissen macht Theater” ein interaktives Theaterstück für Schulkinder, das sich mit dem Thema Pressefreiheit/Meinungsfreiheit und Demokratie beschäftigt. Die Stückentwicklung schafft durch Handlungsfäden Spielräume für die Beteiligung des jungen Publikums, das mithilfe von Abstimmungen Demokratie ausprobieren kann und dabei erlebt, was es heißt, auch andere Meinungen zu respektieren.
„Geräte für Jugendliche“ (Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro)
Wer eine Idee mit den eigenen Händen umsetzt, erlernt neue Fähigkeiten, erfährt Selbstwirksamkeit und gewinnt Respekt. Wer dies in einer offenen Werkstatt tut, erlebt darüber hinaus auch Gemeinschaft und Unterstützung. Schüler*innen der Region sollen im FabLabChemnitz bei Entwicklung und Umsetzung ihrer kreativen Ideen unterstützt und so die Zusammenarbeit des FabLab mit Jugendlichen gestärkt werden. Neue Geräte und Maschinen sollen die kreativen Möglichkeiten des FabLab erweitern und so noch mehr Erlebnisse und Begegnungen ermöglichen.
„Integrationsmesse“ (Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro)
Eine Plattform, um Migranten, Geflüchteten und Ausländern Wege in Arbeit und Ausbildung aufzuzeigen – das ist die „Integrationsmesse“ in Chemnitz. In kompaktem Format präsentieren sich Arbeitgeber und lokale Akteure der Flüchtlingsarbeit, die die Veranstaltung zur Information, Beratung und Vernetzung nutzen. Neu im Angebot der Integrationsmesse gibt es darüber hinaus im Jahr 2019 auch Informationen zu Beschäftigungsprojekten für junge Menschen im EU-Ausland.
„Glanz und Krawall“ (Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro)
Wer mit Worten argumentiert, wirft keine Steine: Weil Demokratie nur mit Diskursen funktioniert, will das neue Kulturmagazin „Glanz und Krawall“ (Arbeitstitel) eben diese Diskurse auf Papier und damit zu den Menschen bringen. Wer das Magazin in die Hand nimmt, soll sich ärgern, debattieren, streiten und dabei Lust bekommen, sich in die Kunst- und Kulturszene der Stadt zu stürzen und sie zu genießen. Damit werden Hemmschwellen abgebaut und ein Beitrag zur Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt geleistet.
„Nachbarschaftskümmerer“ (Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro)
Ein Koordinator und zwei mobile Kümmerer für die kleinen Sorgen und Nöte des Alltags: Die Nachbarschaftskümmerer wollen sich auf dem Sonnenberg um die Lösung von Nachbarschaftskonflikten und Konfliktprävention kümmern, vom Umgang mit Müll bis zur Lärmbelästigung, insbesondere, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen. Ziel ist es, zum friedlichen Zusammenleben im Stadtteil beizutragen.
„Willkommen in Chemnitz“ (Ideenförderung in Höhe von 1.000 Euro)
Das jährliche interkulturelle Fest „Willkommen in Chemnitz“ versteht Integration als einen Prozess, der auf zwei Seiten ablaufen muss – auf der der Neuankömmlinge ebenso wie auf der der aufnehmenden Gesellschaft: Deshalb präsentieren sich hier Vereine und Initiativen aus der Stadtgesellschaft neuen (und alten) Mitbürgern und laden zu gemeinsamen Aktivitäten ein – nicht nur am Festtag selbst, sondern weit darüber hinaus schafft das Ereignis so Anlässe für Begegnungen.

News von: Industrieverein Sachsen 1828 e.V. und von Kreatives Chemnitz e.V., 25.02.2019

CITY-TIPPS