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NEWS - Überregional

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Ein echter (Ost-)Blockbuster

Zwei Sachsen nehmen Fahrt auf

Früher war alles besser. Davon sind auch Günther und Hindrich fest überzeugt. Zwei sächsische Originale, die auch nach der Wende ihre Liebe zur guten, alten DDR nicht ablegen wollen. Sie verbringen ihre Zeit am liebsten mit Zweitaktmotoren und Hopfenkaltschale in ihrer urigen, vollgestopften Werkstatt. Dort fachsimpeln sie im Dederon-Dress über Technik, das Leben, die alten Zeiten, über ihre Liebe zum Skifahren und manchmal auch über Frauen.

Überzeugt von der Qualitätsarbeit ihres verblühten Heimatlandes wollen sie mit aufpolierten Brettern eine neue Skifahr-Technik ausprobieren, das sogenannte Freeskiing. Doch dabei läuft nicht alles glatt. SIMPLYclever heißt der Kurzfilm, der mittlerweile eine riesige Fangemeinde im Internet hat. Über 145.000 Klicks hat er über die Videoplattform Vimeo bereits eingeheimst, wurde auf diversen Kurzfilmfestivals gespielt und zum Publikumsliebling gekürt. Hinter Günther und Hindrich stecken die Medientechnik-Studenten Johannes Kürschner und Franz Müller aus Dresden, die nicht nur die Hauptrollen im Film einnehmen, sondern die Produktion auch gestemmt haben. Ein Zwei-Mann-Unternehmen, kann man sagen. Das Geheimnis des Erfolgs? Vielleicht die Banalität. Den Großteil des Clips macht nämlich der teils aberwitzige Dialog der beiden Ost-Charaktere aus, der durch optimale deutsche und englische Untertitel gestützt wird. Die sorgen auf den zweiten Blick für leichte Zuckungen im Bereich der Kauleiste. Entstanden sind die Hauptfiguren Hindrich und Günther im Rahmen des jährlich stattfindenden Kurzfilmwettbewerbes MW48 der Hochschule Mittweida. „Das Motto war ‚Banal Fatal‘ und wir hatten 48 Stunden Zeit und eigentlich keinen Plan, was wir machen sollten. Also haben wir uns einfach beknackt angezogen, wie immer dumm gequatscht und das Ding gewonnen“, erzählt Franz. Das war 2012 und die erste gemeinsame Produktion der beiden. Auch SIMPLYclever war eine Vollimprovisation, zumindest was die Dialoge betrifft. Böse Zungen behaupten, dass der sächsische Dialekt gespielt und gekünstelt sei, doch diesen Vorwurf weiß Müller zu entkräften. „Der Dialekt ist nicht aufgesetzt. Ich kann gar kein Hochdeutsch.“ Der Erfolg des Kurzfilmes fordert nun seinen Tribut. Eine Fortsetzung muss her und dafür haben sich die beiden Studenten Unterstützung von ihren Fans geholt. In dem geplanten Zweitakter-Roadmovie SIMPLY THE WORST wagen sich die beiden Sachsen in das tiefe, urwüchsige Osteuropa. Um dieses Vorhaben zu finanzieren, haben Johannes und Franz die Möglichkeiten des Internets für sich genutzt. Über die Crowdfunding-Seite Startnext stellten sie ihr Projekt vor und hatten in wenigen Tagen ihr gestecktes Finanzierungsziel von 4.000 Euro erreicht. Stellt sich die Frage, wie solch banal wirkende Filme so viel Geld schlucken. Da lohnt sich der Blick hinter die Kulisse. Gefilmt wird mit hochwertiger, teurer Technik, die versichert werden muss. Auch der auf drei Wochen angesetzte Dreh im osteuropäischen Ausland schluckt einiges an Finanzen, bedenkt man allein die Spritkosten. „Die 4.000 Euro sind unser Minimum gewesen, alles was darüber hinaus zusammenkommt, können wir in weitere technische Features investieren“, so Johannes. Mittlerweile sind es knapp 5.500 Euro, aber Luft nach oben ist da noch. Als Dank für eine Spende haben sich die beiden Studenten diverse Gimmicks überlegt. So gibt es zum Beispiel für 35 Euro im Gegenzug eine DVD mit Bonusmaterial des neuen Films, für 150 Euro sogar einen Umtrunk in der originalen Werkstatt, selbstverständlich mit Filmvorführung. Die Finanzierungsphase läuft noch bis Ende Februar. Im März soll es dann losgehen mit dem Dreh. Johannes und Franz, die derzeit beide an ihrer Bachelorarbeit schreiben, sehen sich trotz aller Komik als Filmemacher und haben im vergangenen Jahr ihre Produktionsfirma makiVISUAL gegründet. Dass sie etwas auf dem Kasten haben, beweisen sie mit hochwertigen Imagefilmen. „Wir wollen Produkte filmen, bei denen man auch visuell etwas abholen kann. Deswegen auch makiVISUAL, wie die Primatenart: kleines Tierchen – große Augen“, erklärt Johannes. Zuletzt arbeiteten die beiden zwei Jahre an einem Imagefilm für das Weingut Zimmerling. Den gibt es auf der Facebook-Seite und auf Vimeo zu sehen und er sorgt tatsächlich für große Augen, wenn man bisher nur das Impro-Werk SIMPLYclever kennt. Auch in Zukunft soll es weitergehen mit der Filmerei. Johannes will seine Fähigkeiten im Rahmen eines Cinematography-Studiums in Babelsberg ausbauen und auch Franz hat ein weiterführendes Kamera-Studium im Visier. Wohin der Weg für Hindrich und Günther führt, steht auch fest. „Berlinale 2015, ganz klar“, berichtet Johannes mit gewohnt zuversichtlichem und überzeugtem Grinsen.
 
Infos? vimeo.com/makivisual oder www.facebook.com/pages/maki-VISUAL/457904004283437

 
Finanzierung auf Startnext www.startnext.de/simply-the-worst

News von: Franziska Dohrmann, 07.02.2014

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