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Liebe Gemeinde.

06. Februar 2018 image

Liebe Gemeinde.

Ich hab es wieder getan. Bachelor schauen ist immerhin leichter, als einen zu machen. Und immer wenn ich RTL gucke, fühle ich mich so gebildet und gut erzogen.

Es geht los. Mir wird der Bachelor vorgestellt. Mist, sonst konnte ich spätestens hier schon lachen. Dieser Daniel aber wirkt ganz cool. Schielt nicht und seine Zähne leuchten, dass er im Dunkeln lesen kann. Ich hasse ihn schon jetzt.

Nach 2 Minuten: Endlich der erste Schwachpunkt. Der Typ behauptet, Immobilienmakler zu sein. Ich google das und finde nix. Es gibt zwei Möglichkeiten, Karriere zu machen: Entweder, man leistet etwas, oder man behauptet nur, etwas geleistet zu haben. Ersteres ist besser, da gibt es weniger Konkurrenz. Zweiteres reicht für RTL. Und 22 Bitches. Die kommen jetzt.

Nach 5 Minuten: Die Pussy-Parade beginnt: „Ich mach seit 2 Jahren Instagram“. Oha. Die andere ist Youtuberin, die Dritte bezeichnet sich als Influenc(a)er. Ist das nicht eine Krankheit? So sieht sie jedenfalls aus. Sorry Daniel, die wollen hier keinen Bachelor, die wollen Follower.

Nach 12 Minuten: In einer Endlosschleife fährt ein geiles Auto mit billiger „Innenausstattung“ vor. Diese kotzt es andauern aus. Vor die Füße von Daniel. Der Typ etabliert sich als Schauspieler. Zum Glück war der Text leicht zu merken und wiederholt sich andauernd. „Ich bin so aufgeregt, ich bin nervös, ich bin so aufgeregt.“

Nach 22 Minuten: Ich habe nun etliche Abi-Ball-Frisuren in Kombinationen mit hässlichen Kleidern gesehen. Wo ist Guido Maria Kretschmer, wenn man ihn braucht. Immer wenn dieses Auto angefahren kommt, hoffe ich insgeheim, der Typ entscheidet sich für die Karre und geht. In der Karre spitzen sich die Dialoge zu Grimme-Preis-Duetten zu: „Oh mein Gott, wir sind schon da. Nein, nein, oh Gott! Da steht er. Oh Gott, er hat dunkle Haare. Guck mal wie der guckt.“

Nach 35 Minuten: Werbung. Beim Blick ins Social Media sehe ich: ein Großteil schaut gerade diesen Fleischhandel. Ich überlege, warum. Diese Sendung zeigt, wie ein Mann mehrere Frauen gleichzeitig trifft. Die Zielgruppe: Frauen, die es hassen, wenn ein Mann mehrere Frauen gleichzeitig trifft. Chapeau RTL.

Nach 37 Minuten: Es kommt Maite (28). Sie findet es vollassi, dass ihre Tochter mit 14 ein Kind bekommt. Achso, war noch der Trailer für „Schwiegertochter gesucht“.

Nach 40 Minuten: Daniel (wann zeigen die endlich, dass der dumm und hässlich ist!) steht immer noch draußen. Er friert. Vorteil bei den Bitches, die das Auto auskotzt: Bei Kälte schrumpfen die Brüste nicht. Beim Bachelor ist schon alles geschrumpft. Bevor das die Kameras einfangen, hält er die Dialoge kurz. Hier ist er sogar ganz sprachlos: „Ah, du heißt also Daniel? Das kann ich mir gut merken, weil voll viele ja Daniel heißen.“ Oha. Als ich das höre, fällt mir ein Witz ein, da fliegen der Frau die Brüste weg. Stopp, aus dem Auto steigt gerade eine, die kennt den offenbar schon.

Nach 55 Minuten: Jetzt kommen zwei Hühner, die maximal was für RTL III wären, wenn es das gäbe. Im Auto liegen sie sich Best-Friends-mäßig in den Armen. Im Haus kratzen sie sich die Augen aus: „Wie kann es sein, dass er dich zur Tür begleitet, mich aber nicht.“

Nach 64 Minuten: „Die ist süß“, sagt Daniel, als er ein weiteres Bückstück in die Bude schickt. Das hängt bei der ganz davon ab, wo man leckt, Junge! Aber bei deinen weißen Zähnen würde ich lieber nix riskieren.

Nach 72 Minuten: Endlich fällt mal eine aus der Reihe. Eines der Produkte im RTL-Sonderangebot hat augenscheinlich paar Kilo mehr auf den Rippen. Die will keine Rose nachher. Da reicht auch ein Stück Schokolade.

Nach 85 Minuten: Halleluja! Alle Hühner sind jetzt in der Legebatterie. Und der durchgefrorene Daniel greift sich gleich die erste zum Gespräch. Erst jetzt merke ich, dass diese Spastenentsafter auch Namen haben. Und das dieser fast das einzige ist, an was sie sich unterscheiden lassen. Er kann es nicht und verwechselt direkt die Hühner. Von da an heißen sie nur noch „Ladie“.

Nach 90 Minuten: Ich stelle mir den Kameramann von RTL vor, der Abends beim Date in der Kneipe sozialen Eindruck schindet, wenn er erzählt, dass er zurzeit mit geistig zurückgebliebenen Menschen arbeitet.

Nach 98 Minuten: Oh Mann. Gegen diese Gespräche sind Till Schweiger Filme Poesie. Junge, verteile endlich die Schnittblumen.

Nach 109 Minuten: Yes. Er greift ins Dickicht. Eine für dich, eine für dich. Plötzlich kennt er sogar die Namen. Klugscheißer! Einige gehen leer aus. Irgendjemanden muss die Evolution ja auch aussortieren.

„Wie dieses Drama wohl ausgeht?“, fragt RTL in einer Vorschau und will damit Appetit auf mehr machen. Ganz einfach: Auf der Fernbedienung! Nur wer erklärt jetzt den notgeilen Pimmelottern da draußen, dass Frauen in Deutschland keine Kiloware sind?!

Schönen Februar wünsche ich.


 

Sebastian / Agent Twist

Autor: Sebastian Günther (Agent Twist)

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