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Liebe Gemeinde

01. September 2017 image

Liebe Gemeinde

Das was man hat, wird niemals so gut sein wie das, was einem fehlt. Uns fehlte dieses Jahr ein echter Sommer. Gut, die eine Woche war ganz nett. Aber ich bin noch völlig untersommert. Immerhin war ich mal am Strand. Ein Erlebnisbericht:

3 Minuten vor dem Losfahren: Ich checke die Badesachen. Hose: Check. Handtuch: Check. Sonnenbrille: Check. Bauch: Speck. Vorausschauend wie ich bin, habe ich mir die Winterfigur gleich auch über den Sommer erhalten. Fünf Monate Diät für fünf Tage Sommer wären auch sinnlos. Wie 45 Jahre arbeiten für 900 Euro Rente. Ich muss später noch auf Arbeit, fällt mir da ein. Für die Planung im nächsten Jahr wäre toll, wenn der Sommer auf einen Samstag fallen würde.

 

8 Minuten nach dem Losfahren: Meine Freundin steht noch im Bad. Sie probiert Bikinis an, welcher heute am besten passen könnte. Zum deutschen Sommer würde einer mit Rollkragen passen, sage ich. Sie entscheidet sich wortkarg für den Grünen. Packt aber alle ein.

 

Nach 19 Minuten: Wir sitzen im Auto. Ich freue mich auf etwas Ruhe am Strand.

 

Nach 32 Minuten: Angekommen. Keine Ruhe am Strand. Kinder kreischen, Teenies hatten außerdem die tolle Idee, an Beschallung zu denken. Von überall dröhnen Bässe. Es klingt, als würde man auf allen drei Floors im Musikpark gleichzeitig stehen.

 

Nach 41 Minuten: Wir finden keinen freien Platz. Überall liegen Decken und Handtücher. Kurz bevor wir uns an eine freie Stelle setzen, breitet eine Dame ihr Handtuch vor uns aus. „Hier ist besetzt“, donnert sie sofort in unsere Richtung. Bevor sie gleich noch Polen besetzt, gehen wir weiter. Die Alte hätte ohnehin zu viel Schatten geworfen.

 

Nach 53 Minuten: Zwischen Ameisen, einem Mülleimer und ner Horde minderjähriger Hodenkobolde lassen wir uns schließlich nieder. „Die sprechen aber einen komischen Akzent, woher kommen die?“, fragt meine Freundin. „Vom Kiosk.“ Darauf deuten jedenfalls etliche leere Sternburg-Flaschen.

 

Nach 61 Minuten: Meine Freundin warnt mich vor der Sonne und cremt sich ein. Brauch ich sowieso nicht, denk ich. Die Sonne ist eh kaputt. Merkt man ja an den Temperaturen. Irgendwas von Hautkrebs erzählt sie jetzt, meine Blicke suchen derweil den Kiosk. Wo haben die Kids nur das Bier her. Meine Freundin regt sich auf, dass ich nie zuhöre. „Bin ich gar nicht“, sag ich.

 

Nach 78 Minuten: Puh, die Sonne knallt doch ganz schön. Ich geh ins Wasser. Kälter als ich dachte. Ein kleines Kind steht neben mir bis zum Bauch im Wasser. Es ruft zur Mami: „Ich muss jetzt nicht mehr Pipi.“ Plötzlich auch gar nicht mehr so kalt hier. Ich schwimm noch ne Runde ins Kältere und geh' schnell wieder raus.

 

Nach 93 Minuten: Die Teenies neben uns glotzen meiner Freundin auf die Brüste. Ich versuche, die gierende Ruhe für ein Nickerchen zu nutzen. Kurz bevor ich einschlafe, klingelt ein Telefon lautstark auf der anderen Seite. „Wenn es deine Mutter ist, sag ihr, sie hat bei der Erziehung versagt“, rufe ich zu der Ziege rüber. Tu ich natürlich nur in meinen Gedanken. Leider. Es folgt ein 30 minütiges Telefonat, über Liebe, Schuhe und Schuhe. Beneidenswert, dass die am Strand so richtig abschalten kann. Sogar das Gehirn ist deaktiviert.

 

Nach 136 Minuten: Endlich Ruhe an der Telefon-Front. Ich versuche zu schlafen. Als ich gerade wieder am Einnicken bin, fragt meine Freundin: „Schläfst du?“ „Nein! Ich liege im Wachkoma.“ Wie könnte ich auch schlafen. Wieder ertönt Lärm von der Teenie-Seite. Die gehen wohl nie baden. In der Theorie sind zwar alle hohl und würden so gut schwimmen. Wie man aber lautstark hört, sind alle samt nicht ganz dicht.

 

Nach 149 Minuten: Ich dreh mich um. Autsch, mein Rücken. Ich überspiele den Schmerz gegenüber meiner Freundin, die gerade das Meer teilt. Auf Facebook. „Ganz schön rot, dein Rücken“, sagt sie ohne zu mir rüberzuschauen. „Ach Quatsch. Morgen ist das braun.“

 

Nach 174 Minuten: Es klirrt und scheppert wie auf einem Polterabend. Während die Jungs neben uns lautstark torkelnd ihr Leergut zusammensammeln und davon den ganzen Kiosk kaufen könnten, haben es nun auch die Ameisen auf die Brüste meiner Freundin abgesehen. Sie übertreiben auch gleich und beginnen mit Natursektspielchen. Können die nicht auch zum Pinkeln ins Meer gehen? Nein. Auch auf meiner Haut veranstalten sie einen Feuertanz. Aber das spüre ich nicht mehr. Die spannt inzwischen wie ein Trampolin. „Lass uns los machen“, sag ich.

 

Nach 185 Minuten: Alles ist wieder eingepackt. Zusätzlich dabei jetzt: ein Dutzend Ameisen, jede Menge Sand, Sonnenbrand und Kopfschmerzen. Wir machen noch ein Selfie. #lifeisbetteratthebeach lese ich später darunter.

 

Nach 213 Minuten: Ich muss ins Büro, sag ich. Meine Freundin leiert enttäuscht die Augen. Nächsten Sommer nehme ich mir komplett frei, verspreche ich. Die paar Tage kann ich im Winter nacharbeiten...

 

Nach 230 Minuten: Angekommen im Büro denke ich an meinen furchtbaren Tag am Strand. Nichts ist anstrengender, als die Jagd nach Erholung. Das Ziel wäre also ein Leben, von dem man gar keine Erholung braucht. Ran an die Arbeit...

 

Schönen Herbst Euch. Vom Wetter ändert sich eh nix groß. Wird maximal ein bisschen besser.

 

Sebastian / Agent Twist

www.facebook.com/agent.twist

Autor: Sebastian Günther (Agent Twist)

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