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Liebe Gemeinde.

03. März 2017 image

Liebe Gemeinde.

Passend zum Winterschlussverkauf bietet das deutsche Fernsehen mal wieder ein paar Restpfosten an. In der gewohnten Preis- und Güteklasse: Richtig billig!

Meine Schwester hat gerade keinen Fernseher und kommt nun Mittwochabends immer zu mir. Ein Besuch mit Nebenwirkungen: Rotz, Tobsucht, Langeweile. Kurz: RTL. Ja, ich hab es wieder getan. Ich habe den Bachelor auf RTL gesehen. Nach meinem einschneidenden Erlebnis (geschildert auf dieser Seite vor genau vor 12 Monaten) verspürte ich wieder dieses Verlangen nach Sadismus. Kurz bevor es beginnt, packen mich noch Zweifel. Sich über andere Menschen lustig zu machen, gehört zu der primitivsten Art von Humor unter unserer Sonne. Aber intellektuell war ich eh nie. Und im Gegensatz zu „Schwiegertochter gesucht“ oder „Bauer sucht Frau“, machen beim Bachelor offenbar Menschen ohne geistige Behinderung mit. Also vertragen sie auch ein faires Feedback.

 

1. Minute: Es beginnt mit einer großen Überraschung. Normalerweise wird der Bachelor vorgestellt. Ich seh aber nur so ein Weichgesicht mit Föhnfrisur. Sind es diesmal 21 Frauen und die verzichten ganz auf den Mann?

 

Nach 5 Minuten: Es kommt kein Mann mehr. Dieses Mädchen soll der Bachelor sein. Da war der Silberblick vom letzten Mal kreativer gecastet. Sebastian Pannek, wie er heißt, hat offenbar nur ein k zu viel in seinem Namen. Sonst ist er glatt wie ein Schinken. Apropos Schinken. Die Frauen kommen. Also die anderen...

 

Nach 14 Minuten: Cool, alle heißen Lady. Das macht die Sache diesmal einfacher. Letztes Jahr hatte der Typ echt noch versucht, die auseinander zu halten. Die Tröten selbst stöhnen beim Anblick ihres künftigen Peinigers wie Fünfjährige vor dem Koala-Käfig im Zoo.

 

Nach 21 Minuten: Der Harem ist voll. Alle Mädels waren jetzt zu sehen. Viele gestandene Persönlichkeiten. Nackt-Tattoo-Model, Poledancerin, Nackt-Schauspielerin. Was es heute halt so für Berufe gibt.

 

Nach 27 Minuten: Nicht alles, was ausgestrahlt wird, strahlt aus. Der Bachelor ist offenbar von dem ein oder anderen Körperbau angetan. Nur seinem Gesicht müsste er das mal mitteilen. Dafür erwähnt er immer wieder, dass er auch Model ist.

 

Nach 38 Minuten: Wer deutsches Fernsehen kennt, lieber pennt. Mein Gesicht ist inzwischen eingeschlafen wie das vom Bachelor. Gerade veranstalten die einen Selfie-Spaziergang. Wie ich das finde, fragt mich meine Schwester. Ich brüll die Antwort später in die Keramik. Bis dahin lenk ich mich am Handy ab und recherchiere nach dem Milchgesicht.

 

Nach 40 Minuten: Der modelt tatsächlich. Für Aldi und Netto. Scheint also auch im echten Leben auf billig zu stehen. Oh, es wird spannend: Beim Einzeldate wird gerade mehr gegrapscht als zu Silvester in Köln. Flüchtlingen im allgemeinen empfehle ich diese Sendung übrigens dringend. Sie dokumentiert fantastisch unser westliches, aufgeklärtes Frauenbild. Nicht.

 

Nach 47 Minuten: Wenn Frauen mit „Ich will ja nicht lästern“ beginnen, dann wollen sie lästern. Das Playboy-Model regt sich auf, dass andere Hühner zu nackt um das Milchbrötchen werben. Aha. Will diese Evolutionsbremse nicht lieber auf der Autobahn spielen?

 

Nach 51 Minuten: Manche Hupen bekommen Rosen. Die Blumen waren offenbar wieder teurer als die Weiber. Daher reicht es nicht für alle und einige gehen leer aus. Andere haben Glück: „Akzeptierst du die Rose“ fragt das Milchbrötchen. Die Blicke der Tussis sagen: „Wir tolerieren sie maximal.“

 

Nach 60 Minuten: Vorbei. Lieber Bachelor, lasse gern dein Licht leuchten, auf dass wir wissen, wie wir dir ausweichen können. Meiner Schwester aber hast du einen Gefallen getan: Sie bekommt meinen alten Fernseher aus dem Schlafzimmer. Morgen kommt schließlich „Germany's Next Topmodel“.

 

Schönen März wünsche ich.

 

Sebastian / Agent Twist

www.facebook.com/agent.twist

Autor: Agent Twist

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