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Liebe Gemeinde.

27. Oktober 2015 image

Liebe Gemeinde.

Es ist inzwischen leider so: Wenn wir schweigen, wirken wir klüger. Immer öfter verzichten wir daher auf das gesprochene Wort. Und auf Briefe, Postkarten oder Mails. Wir lassen lieber Bilder für uns sprechen. Bilder von uns. In jeder Lebenslage. Willkommen in der Selfie-Generation.

Waren Portraits damals noch gut betuchten Adligen vorbehalten, porträtieren sich die Leute heute quer durch alle Schichten zu jeder Tageszeit. Gut, vormittags ist noch nicht jede Bevölkerungsschicht dabei, aber ab 14 Uhr ist die Selfie-Dichte in Deutschland so hoch wie die der Jungfrauen bei einer Elyas M'Barek-Preview. 

Niemand fotografiert uns besser als wir selbst. Klar, denn wir können die Wampe zur rechten Zeit einziehen oder aus dem Bild raushängen lassen. Das Doppelkinn verstecken, den Pickel wegdrehen, den Mund zu machen, dass man die schiefen Zähne nicht sieht und dann, ja dann, dürfen die Filter richten, was kein Chirurg für möglich hält. 

Damals deuteten Philosophen die Erfindung des Spiegels als die größte Geißel der Menschheit. Sie hatten ja keine Ahnung! Jetzt gibt es After-Sex-Selfies. Und damit die möglichst cool aussehen, werden sie komplett inszeniert. Schon vor dem eigentlichen Sex versteht sich. In etwa so professionell wie in GZSZ. Nur ohne Drehbuch. Ohne Kreativität und ohne Verstand. Also genau wie GZSZ. 
Auf Sex hat nach der Inszenierung keiner mehr Bock. Aber beim Posten und Likes-Sammeln, kriegt der ein oder andere dann doch einen hoch. Linse scharfstellen: Neuer Trend: #whilesex-Selfie.

Für wen While-Sex-Selfies aber zu „next-level“ sind, der begnügt sich gern mit Essens-Selfies, Strand-Selfies, Party-hard-Selfies, einem „politisch-voll-ernst-und-krassem-Statement“-Selfie oder dem Klassiker: ein Sport-“Ich-bin-so-geil-und-fit“-Selfie. 
Im Katalog ist für jeden was dabei. Sei nicht mehr was du bist, sondern was du darstellen kannst! Aber bedenke: Umso geiler du auf den Fotos aussehen willst, umso dämlicher tust du es, während du sie machst. Schonmal die Pose gecheckt, wie es aussieht, wenn man mit einer Hand sein schwitzendes Face, das Laufband, die Hanteln, den Eiweißdrink und die Sport-Titten zusammen fotografieren will? Lächerlich sieht das aus! Umso geiler die digitalen Selfies, um so mehr hat das Umfeld bei der Entstehung gelacht. Aber was soll's, sind ja nur reale Menschen. Keine Likes, keine Comments.

Gerade die würden uns wirklich guttun. Echte Menschen. Beim Sport, beim Feiern und erst recht beim Sex. Während wir bei einem Konzert versuchen, ein Foto von uns, der Bühne und der Crowd zu bekommen, schafft es die Band vielleicht gerade zu verzaubern. Aber nicht uns. Wir sind beschäftigt. Die verwackelten Fotos und Videos bringen im Nachhinein aber kein Konzert-Feeling zurück. Welches Feeling auch. Bei uns kam nix an. Wir waren mit unseren Smartphones beschäftigt...

Aber was uns beschäftigt, macht uns nicht glücklich. Es ist viel mehr das, was wir dabei verpassen. Hinter der Linse. Aber was uns an Gefühl entgeht, wollen wir durch Filter wieder rausholen. Ein Unsinn. Völlig normale Leute machen mir inzwischen mehr Angst als Bekloppte.


Euer Sebastian / Agent Twist
www.facebook.com/agent.twist



PS: Zu Weihnachten wünsche ich mir einen Selfie-Stick! #whilesexselfie. 

Autor: Stefanie Jost

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