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Liebe Gemeinde,

08. April 2015 image

Liebe Gemeinde,

manche Leute werden deswegen für gebildet gehalten, weil ihnen das Wenige, was sie wissen, im richtigen Augenblick einfällt. Andere wiederum äußern den dümmsten Mist im falschesten Moment. So stumpfsinnig, dass es bereits eine Unverschämtheit ist, wenn sie „ich“ sagen. Dazwischen liegt viel Geplapper.

Nun, da einige Tage um den furchtbaren Flugzeugabsturz in den französischen Alpen vergangen sind, nutze ich die Gelegenheit, uns Unbeteiligten mal aufs Maul zu schauen.      Social Media war voll mit Äußerungen. Das Gute am Internet ist schließlich, das jeder zu jeder Zeit seine Meinung mitteilen kann. Das Schlimme: die meisten tun das auch. Und wie. Ich kategorisiere.
 
Der Schnelle postet:„R.I.P.“ Es geht nicht darum, jemanden Beileid zu bekunden, sondern der Erste zu sein, der dies tut. Nur, um allen zu zeigen, wie gut informiert man doch ist. R.I.P. steht dann auch für „reine interaktive Profilierung“. Dank solcher Blitz-Beileids-Bekunder weiß ich zum Beispiel, dass Nelson Mandela, Paul Walker und Morgen Freeman tot sind. Moment. Freeman lebt doch noch. Trotzdem hat er eine R.I.P.-Seite bei Facebook, mit 60 000 Followern! Sicher verwechseln die den nur mit Nelson Mandela. Sagt alles. Aber egal, Peaches Geldof ist tot. Peaches wer? Egal! Rest in peace.
 
Der Verbitterte:„Diese Pseudo-Trauer überall kotzt mich an.“ Schlaumeier mit diesen Äußerungen wollen zeigen, dass sie sich zwar mit dem Unglücksfall beschäftigen (toll!), urteilen aber im selben Atemzug über die Gefühle anderer und werten sie ab, um sich selbst drüber zu stellen (Proll!). Trauer kann einen nicht ankotzen. Entweder man empfindet sie, oder eben nicht.
 
Der Schlaue:„Das wäre nicht passiert, wenn...“ oder „Da ist was foul, weil...“. Jedes noch so simple Unglück muss erst analysiert und dann intellektualisiert werden. Ist schließlich endlich mal wieder ein Anlass, der alle betrifft und bei dem man gut zeigen kann, wie schlau man doch ist. Klugscheisser! 
 
Der Moralapostel:„In Afrika verhungern jeden Tag tausende Kinder, da heult keiner!“ Danke. Das spendet nun wirklich Trost. Endlich jemand, der die Sache mal einordnet. Zwar so, dass Trauer und Beileid für überflüssig erklärt werden. Aber dafür hat mal einer ein Machtwort gesprochen. Ein Moralapostel, dem die Moral unterwegs auch verhungert ist. Rest in peace! Oder in Afrika.
 
Der Abgeklärte:„Jetzt ist aber auch mal wieder gut“. Jaaaa, hast ja recht. Zum Glück bleibst du unter all den depressiven Neurotikern cool. Neid auf deine gesunde Psyche erweckst du damit aber auch nur eher so mittel. Zum Glück.
 
Der Kolumnist: Das ärmste Schwein. Macht sich Gedanken darüber, was andere von sich geben, um hier die monatlich freie Seite zu füllen. Die bessere Alternative wäre, das auszulassen und über die leere Seite „Platz für Ihre Notizen“ zu schreiben, aber das lässt sein Ego nicht zu. Selber Schuld.
 
 
Trauer zu bekunden bei Facebook oder Twitter kann gut tun. Trotz des vielen Unsinns der dabei entsteht.
Es sich von der Seele schreiben, sich mitteilen, Aufmerksamkeit erwecken – alles übliche Methoden für uns, schlimme Dinge zu verarbeiten. Aber wir unterschätzen leider auch zu oft die Wirkung, in bestimmten Momenten einfach mal zu Schweigen. Denn Schweigen kann manchmal nicht laut genug sein.
 
Einen guten Monat April wünsche ich allen.
 
Sebastian
www.facebook.de/seb.guenth

Autor: Stefanie Jost

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