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Eine virtuelle Musikschule made in Sachsen

28. Februar 2014image

Eine virtuelle Musikschule made in Sachsen

Das E-Commerce Fachmagazin »Internethandel« untersuchte im vergangenen Jahr die deutsche Gründerszene auf Unternehmen mit außergewöhnlichen Ideen. Nicht nur Kreativität und Anwendbarkeit der Geschäftsidee flossen in die Bewertung ein, auch das Abschneiden bei diversen Gründerwettbewerben wurde beachtet. Auch Melodicus, eine virtuelle Musikschule konnte sich ganz vorn platzieren. Mit port01 sprach Gründungsmitglied Oliver Kobe über die innovative Geschäftsidee made in Sachsen!

Hallo Oliver! Wie habt ihr euch als Melodicus-Team kennengelernt?
Wir haben uns für das Projekt Melodicus im Rahmen eines Exist-Förderprogramms im Jahr 2012 zusammengefunden (ESF/EU gefördert).

Für alle Leser, die euch noch nicht kennen: Was ist Melodicus genau?
Melodicus ist ein virtueller Musiklehrer im Internet. Man lernt von Beginn an das Instrument Schritt für Schritt nach Noten zu spielen - wie im Musikunterricht. Dabei helfen „intelligente Notenblätter“, die sofort erkennen, ob die Töne richtig getroffen und der Song in der richtigen Geschwindigkeit gespielt wurde. Man braucht dafür nur einen Laptop mit Mikrofon, Internet und sein Instrument. Die Kontrolle erfolgt über das Mikrofon.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine virtuelle Musikschule zu gründen bzw. wer hatte die Idee?
Die Idee kam von einem befreundeten Profimusiker/Musikehrer (Kontrabass), der eine Lernhilfe aus dem Computer für seinen Unterricht haben wollte.  Ich habe Ihn dann 2011 mit einem Bekannten von mir zusammen gebracht, der als Informatikstudent schon einmal ein Musikspiel ähnlich wie „SingStar“ entwickelt hat. Auf diesem Prinzip funktioniert letztlich auch Melodicus.
Wir haben dann zusammen eine Ideenskizze (ähnlich Businessplan) entwickelt und einen Antrag auf EXIST-Förderung gestellt. Verstärkung im pädagogischen Bereich haben wir mit Mandy Hantke über eine öffentliche Ausschreibung gefunden. 

Welche Instrumente kann man mit Melodicus üben und welches Instrument habt ihr als erstes angeboten?
Wir sind gerade dabei, für unseren Melodicus und die „intelligenten“ Notenblätter Instrumentenschulen für die gängigsten Instrumente anzubieten. Wir haben mit Blockflöte angefangen, da es ein ziemlich einfach aufgebautes Instrument ist. In 14 pädagogisch aufgebauten Lektionen lernt man schnell die ersten Songs zu spielen. Als nächstes wollen wir Keyboard, Saxophon und Posaune anbieten. Auch an einer Gitarrenschule arbeiten wir, wobei wir da allerdings unsere Technologie und die Soundanalyse von Akkorden noch weiterentwickeln.

Spielt ihr eigentlich auch selber diese Instrumente?
Unser Kernteam wird immer wieder durch Experten im Medienpädagogik und Musikbereich ergänzt. Wir haben viele Unterstützer, die selbst Musiker oder Lehrer für die verschiedenen Instrumente sind. Mit denen zusammen entwickeln wir die pädagogischen Konzepte für die Instrumente und wählen die Musikstücke aus.

Wie funktioniert Melodicus?
Im Moment kann man für einmalig 10 Euro unsere komplette Notenschule und die Flötenlektionen herunterladen. Man braucht also keinerlei Vorkenntnisse und lernt schnell und mit Spaß seine ersten Lieder. Jede Note färbt sich, je nachdem, wie gut man sie gespielt hat- so ähnlich wie beim bekannten Karaokespiel „Singstar“. Außerdem sammelt man für jede Note auch Punkte- somit sieht man, wie gut man ist und wie man sich verbessert hat. Das steigert die Motivation und den Spaß am Üben und ist also gut für den Einstieg ins Musizieren geeignet. Das Notensystem ist die universelle Schrift und Sprache der Musik und wenn man erstmal nach Noten spielen kann, erleichtert es einem auch den Umstieg auf andere Instrumente. Die Notenblätter kann man übrigens auch mit anderen Instrumenten spielen. 
Im Moment bauen wir gerade eine Onlineplattform, auf der man sich anmelden kann und von jedem Ort Zugang zu seinem Lernbereich hat. Dort werden Punkte gespeichert und man kann in der Community sich mit anderen Musikschülern oder  -lehrern austauschen und sich messen.
Das Onlineangebot wird dann pro Monat nicht mehr als 10 Euro kosten. 

Dient es als Ersatz zur Musikschule?
Melodicus versteht sich eher zur Ergänzung zur Musikschule oder zum Einstieg und der Vermittlung der Grundlagen, wie dem Spielen nach Noten. Der eigentliche Instrumentenunterricht findet nach wie vor mit dem Lehrer statt, denn die Feinheiten der Finger- und Blastechniken und die Haltung bis hin zum gefühlvollen Spiel kann Melodicus nicht vermitteln.
Viele Anfänger haben allerdings ein Problem, überhaupt erst richtig Spaß am Spielen zu entwickeln, die Abbruchquote am Anfang ist dementsprechend hoch. Genau hier kann Melodicus helfen durch Motivation beim Üben und Feedback ob richtig oder falsch gespielt wurde.
Somit hilft Melodicus, einen sinnvollen und effektiven Musikunterricht zu ermöglichen und überzeugt auch Musiklehrer, Melodicus für das Üben zu Hause zu empfehlen.

Für welche Zielgruppe ist Melodicus geeignet?
Melodicus ist für Anfänger aller Altersgruppen geeignet. Allerdings konzentrieren wir uns bei der Ausrichtung der Plattform auf die Hauptaltersgruppen, die auch in Musikschulen Instrumente lernen. Dabei sind ca. die Hälfte der Schüler zwischen 8 und 12 Jahre alt. Wir werden unsere Plattform zum einen in einer Version für Kinder mit Blick auf die Initiative der Bundesregierung „Ein Netz für Kinder“ ausrichten und andererseits noch eine altersunabhängige Version für ältere Schüler und Autodidakten anbieten.  

Was habt ihr euch für das neue Jahr vorgenommen?
2014 wird viel passieren bei Melodicus! Wir wollen unsere Plattform mit den ersten Instrumenten online schalten und viele Musikbegeisterte und Neugierige zu Melodicus locken. Parallel dazu arbeiten wir an den Lernkonzepten für viele weitere Instrumente. 


Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Stefanie Jost


Weitere Informationen findet ihr unter:
www.melodicus.de
http://www.visionbakery.com/melodicus
https://www.facebook.com/MelodicusVirtuell
 

Autor: Stefanie Jost

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