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Geschäftsmann sitzt resigniert auf Treppe, während andere Männer an ihm vorbeigehen.

Verschuldung ist (auch) eine Frage des Geschlechts

Ist Mann erst einmal arbeitslos, wird es schwer, wieder Fuß zu fassen. Und es droht die Abwärtsspirale in die Verschuldung.
Bildquelle: Nong Mars - 591044579 / Shutterstock.com

Männer und Frauen, das ist eine Geschichte für sich. Über all die Jahrtausende hinweg haben sich beide Seiten eifrig bemüht, dem geschlechtlichen Pendant so einiges anzudichten, was mitunter einen wahren Kern besaß, in anderen Fällen aber auch vollkommen aus der Luft gegriffen schien. Ein Gedanke, der sich bis heute aber hartnäckig hält, ist die Ansicht, Frauen seien verschwenderisch und könnten deutlich schlechter mit Geld umgehen als Männer. Aktuelle Zahlen belegen das Gegenteil. Die Gründe sind komplex.

Wenn Paris Hilton vor einigen Jahren durch die Straßen zog und wieder einmal auf großer Shopping-Tour unterwegs war, schauten viele Frauen neidisch drein. Männer hingegen konnten es kaum fassen, wie ein Mensch in wenigen Minuten Tausende von Dollar auf den Kopf hauen konnte. Mittlerweile hat es sich beruhigt um das US-amerikanische It-Girl. Die mittlerweile 36-jährige Hotelerbin ist – zumindest etwas – erwachsen geworden, plant angeblich, eine Familie zu gründen und beruflich eigene Projekte zu verwirklichen.

Damit ist die schöne Blondine womöglich ein Paradebeispiel für parallele Entwicklungen vieler junger Damen aus heutigen Tagen, die mit zunehmenden Alter reifer werden und mehr Verantwortung übernehmen. Nicht dass dies heißen sollte, junge Frauen seien grundsätzlich verantwortungslos, Paris Hilton steht aber zumindest exemplarisch für eine Entwicklung, mit der sich gewiss viele achtziger Jahrgänge heute identifizieren können.

Und der Mann? Nun, der wandelt ab den Dreißigern mit traumwandlerischer Sicherheit seiner Midlife-Crisis entgegen – und wird mehr und mehr zum verantwortungslosen Kind, das nur noch auf Statussymbole und sein Äußeres achtet. Oder wie könnten die Zahlen des Statistischen Bundesamtes anders zu erklären sein? Dieses veröffentlichte nämlich jüngst die Verschuldungszahlen aus Niedersachsen. Und da zeigte sich vor allem eines: Männer, die zwischen Harz und Nordseeküste leben, weisen im Schnitt mit 33.000 Euro deutlich mehr Schulden auf als Frauen. Doch wo liegen abseits von Spekulation und Klischee-Denken die tatsächlichen Gründe?

Arbeitslosigkeit geht häufig mit Verschuldung einher

Das Bundesamt für Statistiken fand heraus, dass die exakte durchschnittliche Verschuldungssumme bei Frauen bei 23.080 Euro liegt. Somit weisen Frauen aus Niedersachsen rund 10.000 Euro weniger Schulden auf als Männer aus der gleichen Region. Auslöser für die Schuldenquote waren im häufigsten Fall fehlende Jobs bzw. Langzeitarbeitslosigkeit:

  • Arbeitslosigkeit: 21 Prozent
  • Sucht, Erkrankung oder Unfall: 15 Prozent
  • Trennung, Scheidung, Tod des Ehepartners: 13 Prozent
  • Scheitern mit der Selbständigkeit: 8 Prozent

Problematisch sind diese Zahlen vor allem deswegen, weil Menschen – ganz gleich, ob Mann oder Frau – die sich erst einmal verschuldet haben, meist nicht aus eigener Kraft wieder aus dem sprichwörtlichen Schuldensumpf herauskommen. In Deutschland müssen Schuldner im Durchschnitt zehn Wochen auf einen Termin bei einer Schuldnerberatung warten. Für die meisten Menschen ist es dann bereits zu spät, da Zahlungsfristen und gebührenpflichtige Mahnungen bekanntlich keinen Aufschub kennen.

Hinzu kommt, dass es Deutschland eigentlich gut geht, zumindest wenn man auf die Arbeitslosenquote schaut. Unter sechs Prozent ist die Arbeitslosenquote 2017 bereits gefallen. Das sind weit weniger als drei Millionen Menschen. Trotzdem bringen solche Zahlen dem Einzelnen herzlich wenig. Dass Arbeitslosigkeit in Deutschland aufgrund der an und für sich positiven Zahlen gar kein akutes Thema ist, macht die Sache nicht besser.

Und eigenständig suchen viele Betroffene vorerst keine Hilfe, auch weil sie den Überblick über ihre Schulden längst verloren haben und dank günstiger Geldbeschaffungsinstrumente aus dem Internet, die teils auch ohne SCHUFA-Abfrage verfügbar sind, auch gar keine Veranlassung sehen, ihre Situation zu ändern. Tatsächlich ist der deutsche Arbeitsmarkt aber auch gar nicht so gut aufgestellt, wie es scheinen mag, sodass selbst der es schwer hat, der etwas ändern möchte.

Frauen überflügeln Männer

In Deutschland fehlen derzeit circa drei Millionen Fachkräfte in allen erdenklichen Branchen – und das bis zum Jahr 2030. Dies ermittelte das Forschungsinstitut Prognos. Wer nichts gelernt hat oder zu gering qualifiziert ist, hat nur wenige Chancen, überhaupt in den Arbeitsmarkt zu gelangen. Dass es in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft gibt, belegen auch Fakten wie:

  • Die Anzahl an Hartz-IV-Empfängern sinkt deutlich langsamer als die Zahl der allgemein Arbeitslosen.
  • Nur ein Fünftel aller ausgeschriebenen Arbeitsplätze richtet sich an Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Viele Firmen werben lieber fähige Arbeitskräfte von anderen Firmen ab, als diese auf dem Arbeitsmarkt zu suchen.

Was aber bei all diesen Zahlen auch nicht vergessen werden darf: ein Blick auf die Geschlechterrollen in diesem System. Mit Blickrichtung Schul- und Universitätsausbildung zeigt sich, dass Frauen im Regelfall bessere Abschlüsse erzielen als junge Männer, demnach auch die bessere Qualifikation für Ausbildung oder Studium mitbringen. Frauen erlangen mittlerweile deutlich häufiger das Abitur als Männer. Fast die Hälfte aller weiblichen Schüler schafft das Abitur. Bei den Männern sind es nur 38 Prozent.

Und wie hängt dies mit der Verschuldung zusammen? Nun, letztendlich bedeutet eine bessere Qualifikation in der Regel auch, einen besseren Job bekommen zu können, der wiederum mit einer höheren Bezahlung einhergeht. Hat Mann also weniger Geld, dürfte bei ihm deutlich schneller Ebbe im Portemonnaie sein als bei der Frau.

Was mit diesem Umstand jedoch so gar nicht zusammenpasst, ist der belegte Fakt, dass Frauen in Deutschland bei gleichem Abschluss und gleicher Arbeitsleistung noch immer weniger im Durschnitt verdienen als der Mann.

Statistik über Gehaltsverteilung bei Männern und Frauen
Bessere Bildung, weniger Geld: So sieht es derzeit auf der Gehaltstabelle aus für Frauen in Europa.
Statistikquelle: statista.com


Also noch eine schlechte Nachricht für den Mann: Er verdient zwar grundsätzlich mehr als die Frau, besitzt im Schnitt aber eine schlechtere Bildung, ist häufiger arbeitslos und auch verschuldet. Vielleicht kann dies bedeuten, dass Männer von den Frauen noch einiges lernen können – auch in Sachen Umgang mit Geld. Zumindest bedeutet dies aber, dass längst nicht alle Klischees wahr sind, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, mit unseren Einschätzungen über Männer und Frauen auf jeden Fall richtig zu liegen.

News von: Jakob Baumgärtel, 17.10.2017

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