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Samain – ein Fest für das Leben

Das ENS, diese Mitte von RegENSburg, die einfach ist, ohne Anhaftung, ohne Wertung, ohne Wollen, nur Sein, beobachtet die Menschen in der Stadt und anderswo. Über Raum und Zeit hinweg.

Am letzten Oktoberwochenende wurden die Uhren wieder umgestellt. Diskussionen darüber sind menschengemacht. Manche freuen sich über die Veränderung, manche betrachten die Veränderung als Bedrohung.
Das ENS weiß darum, dass das einzig Beständige im Leben der Menschen der ständige Wandel ist.
Die Jahreszeiten kommen und gehen, um wieder kommen und gehen zu können.
 
Jetzt sieht das ENSdie Menschen Halloween feiern. Ein altes Fest, das sich dauernd verändert und von vielen als „amerikanische Spinnerei“ bewertet wird, während andere sich in den Trubel hineinstürzen, ohne die Wurzeln zu kennen.
Das ENS spürt bei den Wurzeln über das den Menschen hier geläufige katholische Allerheiligen hinaus und betrachtet das süß-sauer heischende amerikanische Vorortspektakel als irische Einwanderer-Weiterentwicklung eines alten lebensbejahenden Brauches. Samain wurde dieser Tag, diese Nacht genannt.
Alles erkennt das ENS darin. Das laute Spektakel und das Totengedenken – und noch mehr.
 
Das ENS sieht auch jetzt noch Menschen, welche um die tiefe Kraft des alten Brauches wissen und ihn pflegen und alle drei Bedeutungen an diesem Tag, in dieser Nacht leben.
 
Es spürt noch die Kelten, welche um die Kraft wußten, welche von den Ahnen ausgeht. Statt verwandtschaftszusammenbringenden Gräbergängen mit ritualisierten Gebeten setzte man sich zusammen und erzählte Geschichten von den Verstorbenen und hielt so die Verbindung zur Ahnenkraft aufrecht.



 

Auch wußte man darum, dass in dieser Nacht die Tore zur Anderswelt offen sind. Um die Wesenheiten dort zu halten, wo sie hingehören, also um ein weltenübergreifendes Hin- und Herwandern zu unterbinden, wurde Remmidemmi gemacht. Mit Masken und lautem Geschrei wurde den Menschen bedrohlich Erscheinendes ferngehalten und die eigene Angst vertrieben.
 
Eine dritte Nutzung von Samain ist in heutigen Tagen weitgehend unbekannt. Die der Schuldloslassung. Zu Samain besteht die Möglichkeit, Belastendes des letzten Jahres zu vergeben und dadurch frei davon zu werden.
Die Menschen saßen abends zusammen und erinnerten sich, wer ihnen das Jahr über vermeintliches Unrecht angetan hatte. Konnten sie den Groll über das Angetane loslassen, konnten sie also vergeben, dann zündeten sie eine Kerze an. Spürten sie den Schmerz noch, dann wußten sie, dass der Groll sie ein weiteres Jahr begleiten wird und die Kerze blieb aus.
 
All diese Erinnerungen kommen dem ENS an Samain, während es beobachtet, wie diese alten Bräuche von Europa über Irland nach Amerika auswanderten, sich dort veränderten und nun wieder zurückgekommen sind.
 
Und manchmal sieht das ENS auch jetzt wieder in den Häusern Menschen zusammensitzen und sich Geschichten über die Verstorbenen erzählen und nachdenken und ab und zu eine Kerze anzünden.
Das laute Getöse ist zu jetzigen Zeiten überflüssig. Die Stadt erzeugt das ganze Jahr über soviel Remmidemmi, dass es für die feinstofflichen Wesenheiten kein Ort zum Verweilen ist.
 
DER KLEINE PRINZUND DIE BRÄUCHE

Auch der kleine Prinz erfuhr von diesen Menschenbräuchen.
Ihm wurde bewusst, dass in seiner Erinnerung keine Eltern und Verwandte sind. So erzählte er dem ENS von der Rose, die er als seine Familie betrachtete.
Und als das ENS ihm erzählte, dass Menschen diese Zeit nutzen, um Schuld zu vergeben, damit sie ihre Opferrolle loswerden, dachte er auch an seine Rose.
Der kleine Prinz hat seiner Rose schon lange vergeben, wie sie ihn behandelt hatte und kann somit freudig an sie denken.

 


 
Text und Kalligrafie: Johann Maierhofer

News von: Johann Maierhofer, 12.11.2017

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