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Zwei Fotografen werfen einen Blick in Leipziger Schlafzimmer

Wie man sich bettet, so schläft man

Es gibt kaum einen Ort, der intimer ist, als das eigene Bett. Zwischen Kissen und Laken lassen wir uns fallen, sind wir ganz wir selbst, zerknautscht, verträumt und ungeschminkt. Manchmal schlaflos, manchmal einsam oder gemeinsam. Ein Bett voller Geborgenheit, Wärme und Erinnerungen, die uns in den Schlaf geleiten. Das Projekt „Leipziger Bettgeschichten“ eröffnet einen Blick in diese kleine, private Welt und zeigt, wie Leipziger sich betten. Initiiert wurde es von Martin Neuhof und Eric Kemnitz, die als selbstständige Fotografen gemeinsam in der Studiogemeinschaft JAE arbeiten. Martin hat sich bereits mit seinem vorherigen Projekt „101helden“ einen Namen gemacht, indem er Leipziger auf der Straße fotografierte und ihre Geschichte erzählte.

Im neuen Projekt soll es nun darum gehen, Menschen an dem Platz in der Wohnung zu zeigen, der der Öffentlichkeit sonst verborgen bleibt: im Bett. Gänzlich unanstößig halten die beiden diese kleinen Geschichten fotografisch fest. Die Idee entstand am Schreibtisch, mit Blick über die belebte Stadt. Die grundlegende Frage dabei ist: Was macht einen Menschen aus? Egal, ob Männer oder Frauen, Paare, Familien und Kinder, was bedeutet das Bett für sie alle? Kann man die Persönlichkeit eines Menschen erkennen, wenn man einen Blick in das Schlafzimmer wirft? Kombiniert mit dieser Grundidee verbinden die beiden Fotografen zwei Leidenschaften. „Ich liebe die Vogelperspektive“, so Martin, der auch gern mal auf Bäume klettert, um die Welt von oben zu sehen. Auch Eric hat ein kleines Faible, und zwar für Türen. Klingt komisch, ist aber so. „Ich habe diese Idee schon seit einiger Zeit im Kopf und hatte eigentlich mal vor, einen Stadtführer zu entwerfen, der Türen in Leipzig zeigt, sie in die Stadt einordnet und sie darin wiederfindet. Ich frage mich immer, was hat eine Tür erlebt, aus welcher Zeit stammt sie, welche Geschichte erzählt sie über ein Haus und was verbirgt sich hinter ihr?“, erklärt Eric. Beide Punkte wurden nun im Projekt integriert. So besteht jede Bettgeschichte aus einer dreiteiligen Fotoreihe, die zuerst die Wohnungstür und dann das Bett des Teilnehmers aus der Vogelperspektive zeigt. Das letzte Bild stellt eine besondere Charakteristik des Menschen heraus. Zudem gibt es ein paar kleine Fragen an jeden Fotografierten, beispielsweise nach dem Monster unterm Bett.

Das Spannende ist: Die Antworten sind so verschieden wie die Menschen der Stadt. Das Projekt startete im Februar, die Planung begann allerdings bereits im vergangenen November. Derzeit gibt es 13 Bettgeschichten zu entdecken, weitere sind bereits in Planung oder schon durchgeführt. „Die Resonanz ist toll, das Projekt wird gut angenommen und wir bekommen regelmäßig Bewerbungen“, erzählt Martin erfreut. Mitmachen kann dabei jeder, der Lust hat, Teil eines coolen Projektes zu werden. Vor allem wollen die beiden Fotografen es aber schaffen, einen Querschnitt von Leipzig einzufangen. Egal, ob alt oder jung, jeder Leipziger ist dazu eingeladen, sein Schlafzimmer zu öffnen. „Spannend ist vor allem, dass wir am Ende nicht wissen, wer vor uns steht. Wir fordern keine Bilder in der Bewerbung, der Mensch bleibt also am Ende eine Überraschung. Manchmal stehen die Leute schon im Schlafanzug in der Tür und wollen direkt loslegen, manchmal beschnuppern sie uns erst vorsichtig. Es ist auf jeden Fall ein besonderer Moment, wenn die Tür zum ersten Mal geöffnet wird“, erzählt Eric. Gelegentlich ergeben sich aus einem Fototermin auch noch ein geselliges Zusammensein und gute Unterhaltungen. Wer also Lust hat, den beiden Jungs einen Schlafzimmerblick zu gewähren, sollte sich nicht scheuen und das Formular auf der Website nutzen. Der Horizont ist frei für eigene Ideen, die gerne mit eingebracht werden können. Ein besonderes Ziel haben Martin und Eric im Rahmen des Projektes aber noch: „Wir wollen Oberbürgermeister Burkhard Jung ins Bett kriegen!"

News von: Franziska Dohrmann I Foto: Leipziger Bettgeschichten - Eric Kemnitz & Martin Neuhof, 09.04.2014

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