
The Rattlesnake Orchestra
8 Jungs rocken Mainz
The Rattlesnake Orchestra gehört wohl zu den interessantesten Mainzer Bands dieser Tage. Die 8 Jungs performen seit Mai 2008 so genannte „Música Méstiza“, selbstgemachte lateinamerikanische Musik mit Herz und Verstand, zu der man tanzen kann, die einen aber auch zum Nachdenken anregt. Worum geht’s? „Wir spielen für Freiheit, Frauen, Cuba Libres. Gegen Krieg, Armut und Unterdrückung. Mit Herz und Überzeugung an der Sache. Wir wollten was verändern. Und wollen es immer noch!“
Wie seid ihr auf den Namen Rattlesnake Orchestra gekommen?
Fabian: Frag den Jägermeister! Ich glaub Rattlesnake Orchestra war die Idee von Martin. Er war damals mit einem Mädel zusammen, dessen Vater immer Klapperschlangen erschlagen hat. „Orchestra“ fanden wir gut, weil wir damals schon wussten, dass unsere Zahl wachsen würde. Und „Rattlesnake“ hatte was mit Percussion (Musizieren mit Schlag- und Effektinstrumenten) zu tun. Dann gab’s auch direkt die ersten Band-T-Shirts. Seit dem waren wir als Rattlesnakes unterwegs.
Habt ihr von Anfang an Música Mestiza gemacht?
Fabian: Nee, gar nicht. Am Anfang war das eher ein krasser Mix. Wir hatten deutsch-italienische Sachen drin, auch etwas vom Balkan. Wir spielten auch einige Cover-Sachen, u. a. von Clueso. Wir haben aber schnell mit unseren eigenen Songs angefangen. Das erste Lied war „Cabernet Blanc“. Am Anfang haben wir uns sehr von Mano Chao inspirieren lassen, haben aber versucht, selbst was in der Richtung zu machen, sodass es in diese Mestizo-Ecke geht. Wir wollten, dass es scheppert, dass es ein cooler Rhythmus ist. Es durfte kein Rock sein, es durfte kein Indie sein, weil wir das alle nicht mögen. Und irgendwann gab es die Ansage: keine deutschen und englischen Lieder.
Es wird oft gesagt, dass eure Musik Fernweh vermittelt. Diese Musik ist auch eher untypisch für Deutschland. Seht ihr das auch so oder ganz anders? Könnt ihr euch vorstellen, in einem Land zu leben, wo diese lebensfrohe Art eher praktiziert wird?
Fabian: In einigen Städten gibt’s ja eine recht große Mestizo Szene, z. B. in Köln oder Hamburg. Diese Art Musik machen aber eher Immigranten, also Latinos oder Südfranzosen. Aber unser Anliegen ist eher, zu zeigen, dass es nicht immer englischer Rock sein muss, der Emotionalität vermittelt. Das Leid, dass das Spanische oder Lateinamerikanische mitgemacht hat, dieses Rhythmusgefühl, das ist exotisch und das vermittelt eben Méstizo. Die Leute sollen sehen, dass es auch andere Sachen gibt.
Moritz: Wegen Fernweh, weil du eben gefragt hast, ob wir uns vorstellen können in so einem Land zu leben. Ehrlich, ich weiß es nicht. Ich für mich würde sagen, nein. Aber dieses Fernweh ist irgendwie da. Dieses Dilemma, dass man davon träumt, mal woanders zu leben oder komplett auszuwandern, das ist ja eh so ein deutsches Hobby, aber man macht es letztendlich nicht. Vielleicht ist das auch die Sehnsucht der Band, dass man gerne woanders spielen würde. Es ist ein musikalisches Konzept, unsere Musik ist sowohl eine Emotion, als auch eine Aussage.
Fernweh beinhaltet ja immer ein wenig Romantik, dass es woanders womöglich besser wäre. Was ist denn eure Botschaft in den Texten?
Fabian: Am Anfang war es eher diese Pura Vida Gefühl, man wollte mitteilen, dass es einem gut geht, aber das ist auch einfach zu plakativ. Da brauch man keine Musik für machen, denn da kann ich zu einem fremden Menschen gehen, ihn auf ein Bier einladen und sagen, dass es mir gut geht. Aber im letzten halben / dreiviertel Jahr hat es sich so entwickelt, dass eine politische Aussage dabei ist. In unseren Texten wird nichts verarbeitet, was wir privat erlebt haben, bezogen auf Frauen, Suff, oder „mir geht’s grad saugut“, sondern es sind kulturelle, gesellschaftliche und soziale Umstände. Es geht um stetig wachsende Überwachungstechniken, um Ausbeutung, um politische Naivität, die uns in den nächsten vier Jahren auch in Deutschland droht, wo die Mehrheit der Bevölkerung gezwungen ist, mit dem Strom zu schwimmen, weil einfach die Mittel fehlen, seine demokratischen Kräfte freizusetzen. Wir wollen den Menschen keine Geschichten erzählen, davon, wie es im Urlaub war, sondern wir wollen klarmachen, warum wir diese Musik machen und worum es geht, wenn man Text vertont.
Moritz: Wir haben überwiegend ernsthafte Texte, die gehört werden wollen. Die Texte geben so viel her, dass man sie einfach lesen und übersetzen könnte und dann hat man auch schon was Schönes. Die Musik steht aber im Kontrast dazu. Die Melancholie der Texte wird in fast jedem Lied ziemlich schnell durch fröhliche, rhythmische und schnelle Klänge ausgetrieben. Wir haben jetzt nicht ein Konzept, das sagt, dieser Akkord muss jetzt traurig sein, weil er so besser zu Zeile B passt. Aber ich finde den Gegensatz, der dabei entstanden ist, ganz schön. Die Leute können auf unsere Musik tanzen und Spaß haben und wenn sie auf die Texte hören, haben sie auch noch was zum Nachdenken.
War dieser Anstoß zum Nachdenken eure Motivation, die Ram Tam Tam Tour in 2008 zu machen, also aus den kommerziellen und kapitalistischen Zwängen zu fliehen und nur von eurer Musik zu leben oder war es eher eine Art Selbsterfahrung?
Moritz: Beides. Am Anfang stand der Gedanke, ach leckt uns doch alle am Arsch mit eurem EMI-Label-Scheiß, wir fahren jetzt mal los und das klappt schon. Das andere war: wir sind Zigeuner, wir leben jetzt wie die Zigeuner, das war der Teil der Selbsterfahrung. Das muss man halt ein bisschen trennen. Wir hatten den Anspruch, das auf die Reihe zu kriegen, ohne Management und den ganzen Profi-Kram. Das hat funktioniert, wir sind mit einem Plus rausgegangen. Aber das andere war teilweise positiv, teilweise negativ. Es war eine extreme Erfahrung und wir mussten uns eingestehen, dass wir nicht so die Zigeuner sind, die wir gerne wären. Wir sind zu Burger King gerannt und haben unser hart erspieltes Geld quasi für Luxus ausgegeben. Wen das näher interessiert, sollte sich den Film „Musiciens Errants – Kein Geld für umsonst“ von Christoph Otto kaufen, der uns auf der Tour begleitet hat.
Fabian: Das war letztes Jahr auch so ein Flash, auf einmal hast du eine Fußballmannschaft-starke Band, Ziele, Adrenalin in dir, ein Lebensabschnitt, der neu anfängt, dann kam die dumme Idee: Lass uns einfach mit Straßenmucke Geld verdienen. Und um die Idee noch dümmer zu machen: Lass uns das in Frankreich machen. Ram Tam Tam hieß für mich, wie das ist, wenn man eine dumme Idee hat und sie auch tatsächlich um setzt.
Moritz: Das war was wirklich Unvergessliches. Der Gedanke war, wir fahren auf Tour, wir machen Musik in einem anderen Land und dieses große Fragezeichen: was ist jetzt an dieser Romantik dran, Sex, Drugs & Rock’n’Roll? Gar nix! Wir hatten eigentlich nur Hunger und stinkige Füße! Aber auf der anderen Seite ist man so verliebt in die Musik, dass man das knallhart machen kann, auch wenn man eigentlich keinen Bock hat, aber man weiß, man muss es einfach grad machen.
Fabian: Da war auch die Erfahrung, wenn man 6 Stunden in der Sonne stand, hat sich gerade mal 20 Euro erspielt und merkt, das reicht jetzt nur für zwei Baguettes und eine Flasche Wein. Dann muss man abends noch mal auftreten, auch wenn man gar keinen Bock mehr hat. Dann zofft und zickt man sich an, um am Ende dann doch noch mal zwei Stunden zu spielen. So ist die Realität und nicht die Romantik, deswegen sehen wir uns eher als Gelegenheits-Gypsies. Wenn wir auf der Bühne die Gelegenheit haben, dann sind wir gerne Gypsies, wenn wir die Gelegenheit nicht haben, dann sind wir’s auch gerne nicht.
Ich finde es auch ziemlich schwierig das Ganze mit voller Konsequenz durchzusetzen, weil wir alle in einem gewissen Wohlstand aufgewachsen sind und nicht wissen, wie es ist, zwei Tage nichts zu essen zu bekommen.
Fabian: Eigentlich ist es auch menschlich absolut pervers, zu sagen, dass wir Zigeuner sind, weil es so viele Menschen gibt, die echt Hunger haben. Nicht freiwillig und nicht, weil sie Bock drauf haben, sondern weil sie einfach kein Geld haben – während es bei uns ein zweiwöchiges Ausprobieren war. Bei uns kam dann die Ernüchterung, dass man mit allem, was omnipräsent ist, vorsichtig sein muss. Es reicht nicht, Nachrichten zu gucken und zu sehen, dass so und so viele Tausend Kinder sterben, weil sie nichts zu Essen haben, sondern man muss sich wirklich bewusst machen, in welchem Luxus man eigentlich lebt. Was für ein Luxus es ist, sich jeden Morgen die Zähne putzen zu können und sich morgens einen Kaffee zu machen. Allein schon, dass wir hier in einer Kneipe bei einem Bier sitzen und nicht auf der Parkbank, wo du alles mitschreibst; sondern du hast ein Diktiergerät.
Ihr seid als Straßenband gestartet, aber mittlerweile gebt ihr auch Konzerte in Hallen. Was macht das für einen Unterschied für euch?
Fabian: Straße ist viel direkter, das ist ein Striptease. Auf der Bühne hat man immer noch die Distanz, weil man höher steht, wegen des Lichts oder weil man eine E-Gitarre in der Hand hat, aber wenn man auf der Straße 1 oder 2 Meter von den Leuten weg steht, sie ansingen muss, weil man von ihnen Geld haben möchte – die gucken dich an, schütteln mit dem Kopf und gehen weiter – das ist ein echter Ego-Shooter. Das macht dich nachdenklich und ist auch anstrengend. Bühnenmusik macht Spaß, aber Straße ist echt Arbeit. Wenn du auf der Straße Mist baust oder wenn es nicht läuft, merkst du es direkt, weil der Koffer leer ist.
Moritz: Das KUZ ist jetzt das Größte, wo wir waren. Und da ist es eben so, dass es wie eine Verabredung ist. Die Leute wissen, es gibt ne Band, die Band weiß, es kommen ein paar Leute. Das ist eine Szenerie, die kennt jeder, da weiß jeder, was er zu tun hat. Und auf der Straße bist du eigentlich ein Schnorrer. Das was die Leute über dich denken können, geht von „Ey, du alter Sack, geh mir nicht auf den Geist mit deiner Scheißmusik“ bis zu „Oh cool, das ist ja eigentlich ganz hübsch. Da schmeiß ich mal zwei Euro rein.“ In diesem Spektrum ist halt alles möglich. Als derjenige, der da spielt, weiß man das auch und da darf man auch niemandem böse sein, wenn er dir in den Arsch tritt oder die Bullen holt. Ich bin ja Gitarrist, deswegen bin ich noch ein bisschen hinter der Gitarre versteckt, aber für Sänger ist es noch mal eine Nummer schlimmer, weil du was von dir gibst.
Was ist euer Bandziel?
Fabian: Das Bandziel ist es, beim nächsten runden Jubiläum der Boca Juniors im Stadion von Buenos Aires zu spielen und zwar mit Mano Chao als Vorgruppe.
Ihr seid ja eher eine Live-Band. Kommt es für euch irgendwann mal in Frage, ein Studioalbum aufzunehmen?
Moritz: Wir wollen als nächstes unseren Auftritt im KUZ aufnehmen und daraus etwas produzieren. Weil wir eben eine Live-Band sind, wollen wir ein Produkt haben, das uns auch als Live-Band repräsentiert. Wir haben mittlerweile auch genug Songs, um ein eigenes Album aufzunehmen.
Fabian: Das ist auf jeden Fall geplant, wir müssen eben gucken ob und wie das Live-Feeling rüberkommt. Wir haben auch schon vier Lieder aufgenommen, die gibt’s auf MySpace zu hören (www.myspace.com/rattlesnakeorchestra) Die transportieren zwar noch nicht das, was wir live sind, aber man sieht, wo es hingehen könnte. Wenn du’s richtig machen willst, gibt es ja einen Produzenten, der dich da durchleitet. Da wir aber keinen Produzenten kennen, der zu unserem Stil passt, wäre das eher ein Projekt in Eigenregie. Wobei man da wahrscheinlich auch nie zu einem richtigen Ende kommt, weil man immer noch etwas verändern möchte.
Wollt ihr am Schluss noch irgendwas loswerden?
Fabian: Ich find’s scheiße, dass in Mainz die ganzen Grünflächen zugebombt werden mit irgendwelchen Kiesbetten, die nur Hundekot aufsaugen und irgendwelche Spielplätze niedergemacht werden, um Parkplätze zu bauen!
Interview: Diana Braese
Autor: Ünsal Hacibekirolu
SHORTNEWS
ACHTUNG - Hier wird bis einschließlich Montag in Dortmund geblitzt
- Westermannstraße - Martener Straße - Märkische Straße - Ruhrallee - Cityring - Mallinckrodtstraße - Bornstraße - Benninghofer Straße - Wittbräucker Straße - A 1 - A 45 Darüber hinaus sind noch jederzeit Geschwindigkeitsüberwachungen durch den mobilen Einsatz...:: mehr
Dauerkarten-Umtausch für die Saison 2012/2013
Vom 29. Mai bis zum 30. Juni 2012 haben Borussia Dortmunds 53.000 Dauerkartenbesitzer die Möglichkeit, sich ihren Stammplatz im SIGNAL IDUNA PARK für die Spielzeit 2012/2013 zu sichern. Für Stehplatz-Dauerkarteninhaber ist darüber hinaus bis zum 20.5.2012 noch eine Blocktauschliste (www.bvb.de/blocktausch) geschaltet. ...:: mehr
Nachwuchs im Afrikanischen Dorf: Kleiner Watussi erobert sein Gehege
Am 13. Mai brachte Watussi-Rind Louise nach einer Tragzeit von rund 290 Tagen den kleinen Bullen „Igor“ in der ZOOM Erlebniswelt Afrika zur Welt. Das Mini-Watussi-Rind ist quietschfidel und machte jetzt schon mit Mama Louise und Papa Icke erste Schritte in seinem Afrikanischen Dorf. Noch trinkt der kleine Bulle...:: mehr
Sylvester Stallone schlägt doppelt zu: VOX zeigt am 7. Juni um 20:15 Uhr den Spielfilm "Rocky Balboa" und im Anschluss die Doku "Vom Außenseiter zum Weltstar - Rockys wahre Geschichte"
Die volle Packung Sylvester Stallone am 7. Juni ab 20:15 Uhr bei VOX: Mit Muskelkraft, Willensstärke und Herz steigt US-Star Sylvester Stallone noch einmal in den Ring. In seiner Oscar nominierten Paraderolle als Boxer Rocky Balboa nimmt er im letzten Teil der gleichnamigen Boxer-Saga erneut die Herausforderung an - und begeistert seine...:: mehr
Skandal-Relegationsspiel von Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf
Damit hätte wohl kein Fußball-Fan gerechnet. Das eigentlich so „harmlose“ Relegationsspiel zwischen Berlin und Düsseldorf, in dem es um den Aufstieg in die 1. bzw. Abstieg in die 2. Liga ging, eskalierte in der zweiten Halbzeit. Nur wenige Minuten vor Abpfiff des Spiels stürmten hunderte Fans das Spielfeld,...:: mehr
Fortuna steigt nach Skandalspiel auf
Fortuna Düsseldorf hat die lang ersehnte Rückkehr in die Bundesliga in einem Skandal-Spiel perfekt gemacht und Hertha BSC endgültig ins Tal der Tränen gestürzt. Der Zweitliga-Dritte schaffte durch ein 2:2 (1:1) in einem chaotischen Relegations-Rückspiel, das in der Schlussphase für über 20 Minuten...:: mehr







































