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Himmlisch groovt es aus dem Keller - Genious on my Mind

10. Dezember 2010image

Himmlisch groovt es aus dem Keller - Genious on my Mind

Es war ein herber Verlust für die Musikwelt als Ray Charles im Juni 2004 verstarb. Er war schon zu Lebzeiten eine Legende und wird dies in aller Zukunft auch bleiben. Er war einer der Musiker, die stilübergreifend arbeiteten und sich dabei dennoch stets an ihre musikalischen Wurzeln erinnerten. Ich durfte ihn knapp ein Jahr vor seinem Tod, auf seinem letzten Konzert in Montreux noch einmal live erleben, und es war unglaublich beeindruckend, wie dieser Mann an seinem Stage-Piano jeder Taste und Silbe einen Spirit einhauchte, der nicht in Worte zu fassen war. Am 23. September diesen Jahres wäre Ray Charles 80 Jahre alt geworden und kürzlich erschien das Album »Rare Genius. The Undiscovered Masters«. Darauf sind zehn bislang unveröffentlichte Aufnahmen zu hören; darunter auch ein Duett mit Johnny Cash.

Als Producer zeichnet Concords A&R-Vicepresident John Burk verantwortlich, der schon 2004 Ray Charles' letztes Album »Genius Loves Company« aufnahm, das schließlich im Jahr darauf mit fünf Grammys ausgezeichnet wurde. Burk sowie all die anderen Produzenten in der Vergangenheit, hatten aber natürlich auch etliche Aufnahmen mit Ray Charles gemacht, die es nicht alle auf ein Album schafften und seit inzwischen über 40 Jahre in den Archiven von Ray Charles' R.P.M. International Studios in L. A. sicher verwahrt wurden wurden. Burk hörte sich ein gutes halbes Jahr durch das Arsenal an potentiellen Hits der Vergangenheit hindurch und wählte schließlich 10 Tracks aus den 1970ern, 1980ern und 1990ern Jahren aus, die repräsentativ für Ray Charles’ stilistische Varianz sind. Sie umfassen Genres von Country, Rhythm’n’Blues, Soul, Funk, Jazz, Blues und Gospel. Einzige Ausnahme, da sie nicht in den Charles-eigenen Studios, sondern in den Archiven von Sony Music entdeckt wurde, bildet eine wunderschöne Version von Kris Kristoffersons »Why Me, Lord?«. Diese entstand 1981 in Nashville und Charles hatte sich damals als Duett-Partner eine ebenso großartige Musiklegende an die Seite geholt, nämlich niemand anderen als den »Man in Black« Johnny Cash.
Einige der anderen Songs waren im Stadium der Entwicklung noch nicht optimal instrumentiert, so dass für die Produktion von »Rare Genius« wohlbedacht und hervorragend besetzt, zusätzliche Spuren von erstklassigen Musikern eingespielt wurden. Mit von der Partie waren die Gitarristen Keb’ Mo’ und George Doering, Bobby Sparks an der Hammond, Trompeter Gray Grant, der fantastische Alan Kaplan an der Posaune, die Bassisten Trey Henry und Chuck Berghofer, die Drummer Gregg Field und Ray Brinker sowie der Sänger Eric Benét für die Background Vocals. Bei Concord ist man sich darüber einig, man habe alles Erdenkliche getan, dass auch Ray Charles mit dem Ergebnis zufrieden gewesen wäre, galt er doch zu Lebzeiten als absoluter Perfektionist. Er hat mit seinen Alben stets einen hohen musikalischen Standard gesetzt, und die nun post mortem erschienene Platte steht diesen hohen Maßstäben in keiner Weise nach. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben, kommen auch Sound-Puristen und Freunde audiophiler Aufnahmen dank der hervorragenden Abmischung auf ihre Kosten.
»Rare Genius« zwängt sich förmlich auf, als Beigabe für den weihnachtlichen Gabentisch ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.

Ray Charles: »Rare Genius «
(Concord / UMG)
seit 26.10.2010 im Handel
10 Tracks - 41:37 min. - ab 16,99 Euro
www.concordmusicgroup.com

Autor: Alexander Traxel

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