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08. November 2011image

„Haben wir wieder was gelernt. Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, auf Wiedersehen.“ Markus Kavka, verantwortlich für einen der bekanntesten Sätze aus dem Musikfernsehen, war lange Zeit das Gesicht von Viva und MTV. Der 44-jährige ist Moderator, DJ, Produzent, Journalist, Autor und sympathisch ist er dazu auch noch. Am 18.11. beehrt er uns in der Kulturfabrik in Krefeld und liest aus seinem Roman Rottenegg. Wir redeten mit ihm über die Schreibe, seine Eltern und seine Einstellung zum Leben.

Markus, geht’s dir gut?
Ausgezeichnet.
 
Am 18.11. kommst du zu uns in die Kulturfabrik in Krefeld und liest aus deinem vierten Buch Rottenegg. Kannst du kurz erklären worum es geht?
Es geht um einen Typen der in Berlin im ganz großen Stil scheitert. Als erstes verliert er seinen Job beim Musikfernsehen, am gleichen Tag verliert er seine Freundin, dann stürzt er sich ins Berliner Nachtleben und lebt zunehmend ungesünder. Das führt irgendwann unweigerlich dazu, dass er einen Zusammenbruch erleidet. Anstatt eine stationäre Psychotherapie in Berlin zu machen beschließt er erst mal über Weihnachten zurück zu seinen Eltern nach Bayern zu fahren. Aus diesem geplanten Kurztrip werden dann lange, lange Monate. Anfangs ist es da noch ganz kuschelig und nett, bis sich das Blatt in Bayern auch wieder wendet und er nach Berlin zurückgeht. Da kommt es dann zum großen showdown.
 
Was inspiriert dich, gibt es autobiographische Auszüge?
Teilweise ist das so. Ich habe Gott sei Dank keine so großen Sachen die ich zu verarbeiten hätte, ich habe mich mit meinem Beruf auch ganz gut arrangiert. Was mich so n bisschen umkreist ist dieses klassische Selbstfindungsding. Wo gehört man hin? Wo kommt man her? Ich bin auf dem Land groß geworden, lebe aber seit 25 Jahren in Großstädten. Auf der einen Seite habe ich mich dafür entschlossen, dass ich nicht auf dem Land leben möchte, weil es mir dort zu klein und zu eng ist, auf der anderen Seite wächst mir in Berlin manchmal alles über den Kopf, mit der Geschwindigkeit und der Hektik dieser Stadt. Dann besuche ich einfach meine Eltern und komm wieder runter. Das zweite Motiv dass mich umtreibt ist, dass ich ständig gefragt werde, ob ich mich denn erwachsen fühle weil ich lange im Jugendfernsehen moderiert habe. Das ist aber immer eine Definitionsfrage: Was heißt denn Erwachsensein? Braucht man dafür zwei Kinder, nen Kombi und nen Hund und n Eigenheim oder reicht es auch, dass man Verantwortung für sich und sein Leben übernimmt? Dazu bin ich sehr wohl in der Lage. Klar mache ich vielleicht noch Sachen, die andere in meinem Alter nicht machen. Ich glaube aber, das hat weniger damit zu tun dass ich nicht erwachsen bin, sondern eher damit, dass ich etwas anders bin.
 
Fühlst du dich denn mittlerweile erwachsen?
Ja schon. Wenn ich überlege, was in meinem Leben ungeordnet ist, dann sind das sehr, sehr wenige Dinge. Ich finde, man darf auch jenseits der 40 noch bis 8 Uhr morgens in irgendwelchen Technoclubs rumhängen. Das ist kein Zeichen dafür, dass man nicht erwachsen ist.
 
Du sagtest grade, du bist ein bisschen Anti-Mainstream, empfindest du das als Fluch, als Segen oder kannst du das gar nicht kategorisieren?
Es ist natürlich beides. Auf der einen Seite macht man sich das Leben damit phasenweise ein bisschen schwer, d.h. wenn man neben der Spur ist, allgemeiner ausgelegt. Andererseits macht das Leben so deutlich mehr Spaß, es ist deutlich abwechslungsreicher. Insofern haben sich alle Situationen oder vermeintlichen Rückschläge die ich dadurch erlitten habe, dass ich nicht so angepasst bin, gelohnt.
 
In dem Buch „Elektrische Zahnbürsten“ sowie in „Rottenegg“ steht die Zeile „Für meine Eltern“ – bist du ein Familienmensch?
Ja. Meine Eltern haben einen ganz normalen, bayerischen Arbeiterbackground. Meine Mama ist Sekretärin, mein Vater hat Werkzeugmacher gelernt. Das sind klassische Eltern, die ihr Leben lang arbeiten und versuchen, dass es Ihren Kindern besser geht. Zu mir haben sie irgendwann mal gemeint - mein Bruder und Ich haben auf dem Dorf oft Dresche bekommen- wenn du es jedes Wochenende in Kauf nimmst, n paar aufs Maul zu kriegen, dann ist dir das auch wichtig was du machst und wie du aussiehst. Alles was ich bisher erreicht hab, lässt sich darauf zurückführen, dass meine Eltern mir stets vertraut haben. Und deswegen versuche ich, sie nicht zu enttäuschen.
 
Du bist Moderator, Journalist, Autor, Produzent und DJ – gibt es eine Aufgabe, die du besonders gerne machst? Nein. Es verbindet sich alles miteinander. Das moderieren im Fernsehen ist in gewisser Weise mein Hauptjob. Ich bin wahnsinnig gerne vor der Kamera und erzähle da was. Aber ich mag es auch sehr, in Clubs aufzulegen oder wenn ich, wie jetzt, auf Lesereise bin – das ist natürlich nochmal ein ganz spezielles Erlebnis. Ich mache das alles gleich gerne. Für mich ist das so, dass all diese Sachen vom Ursprung her meine Leidenschaft sind. Das ist alles ich. Mein komplettes Portfolio liest sich im ersten Moment so, als würde ich viele unterschiedliche Dinge tun, aber im Prinzip ist das alles einfach nur ich.
 
Verfolgst du ein Ziel, eine Message?
Message in dem Sinne habe ich keine. Ich versuche jeden Tag das alles nicht als selbstverständlich zu erachten und mir gleichzeitig auch treu zu bleiben und mich nicht zu verbiegen oder für irgendwen die Beine breit zu machen.
 
Beschreib dich doch mal mit drei Worten.
Bin. kein. Arschloch (lacht) Wenn das mal auf meinem Grabstein steht: Er hat versucht kein Arschloch zu sein, dann bin ich schon zufrieden.
 
Was liest du privat sehr gerne, hast du einen Lieblingsautor?
Ich lese schon sehr viel zeitgenössische Popliteratur. Das letzte war „Sowas von da“ von Tino Hanekamp. Das hab ich so richtig eingesaugt. Zwischendurch lese ich mal wieder Klassiker, ich muss mich immer noch durch das Gesamtwerk von Franz Kafka arbeiten. Irgendwie anstrengend, aber es macht sehr, sehr glücklich. Ich lese immer auch drei Bücher gleichzeitig. Einen Klassiker, ein neues zeitgenössisches Buch und dann noch eine Autobiografie.
 
„Haben wir wieder was gelernt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Auf Wiedersehen“ –  Was können die Leser denn von dir lernen?
Mhm. Also durch mein Leben und die Art, wie ich eingestellt bin kann man mitnehmen, dass es eigentlich immer ok ist, wenn man sich nicht verbiegen lässt oder einfach versucht, sein eigenes Ding zu machen. Das habe ich immer allen Menschen geraten und die Meisten sind auch ganz gut damit gefahren. Wobei ich das Gefühl hatte, dass sich die Leute, die sich irgendwann mal haben ins Hirn scheißen lassen oder sich verbiegen lassen, dass die über kurz oder lang aus der Bahn geraten. Das ist mein Rat: Dein Ding durchzuziehen.
 

Autor: Nina Höhne

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