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Im Kampf gegen Tierquälerei - Nachgefragt bei Julia Akra von Animals’ Liberty

03. April 2014image

Im Kampf gegen Tierquälerei - Nachgefragt bei Julia Akra von Animals’ Liberty

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, wie viele Tiere für einen ganz normalen Wocheneinkauf im Supermarkt ausgebeutet werden? Mehr als man denkt! Denn hinter Produkten wie Zahncreme, Shampoo und Waschmitteln verstecken sich häufig barbarische Tierversuche, um die Wirkung der chemischen Stoffe zu testen. Animals’ Liberty kämpft seit Jahren gegen die Missstände vor unserer Tür und leistet mit der Datenbank auf wermachtwas.info wichtige Aufklärungsarbeit. Mit ihrer neuen Kampagne »Kunstpelz ist ECHT« deckten die Tierfreunde sogar einen riesigen Skandal auf. Mit port01 sprach Julia Akra über die Arbeit und Ziele bei Animals’ Liberty.

Hallo Julia! Wie und wann entstand das Projekt AnimalsLiberty eigentlich und welche Ziele verfolgt ihr?
Animals’ Liberty wurde im Jahre 2005 gegründet und zwar aus der Idee heraus, dem Verbraucher die nötige Transparenz im Bereich des Tierschutzes zu bieten, damit dieser eine bewusste Wahl treffen kann. Erfolge in der Vergangenheit (z.B. Verbot von Legebatterien, Versuchsverbot für kosmetische Endprodukte uvm.) haben bewiesen, dass sich der Verbraucher – wenn er die nötige Transparenz hat – gegen Produkte, die mit Tierleid in Verbindung stehen, entscheiden wird.
 
Seid wann engagierst du dich eigentlich schon bei AnimalsLiberty und wie bist du dazu gekommen?
Ich bin erst seit Oktober 2013 dabei und kümmere mich seit dem um Campaigning und die Pressearbeit. Animals’ Liberty hatte damals einen Spendenaufruf gestartet und ich wollte gern mit mehr unterstützen als mit Geld – und zwar mit meinem Können. Ich habe Sonia, der Gründerin, eine Mail geschrieben, wir haben telefoniert, alles passte. Zwei Wochen später stand unsere Anti-Pelz-Kampagne.
 
Obwohl die Themen »Nachhaltigkeit« und »Tierschutz« immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, leiden noch immer viele Tiere in Versuchslaboren. Wo liegen eurer Meinung nach die Gründe dafür?
Wir machen tagtäglich die Erfahrung, dass sich die meisten Verbraucher – sobald sie über die Missstände informiert werden – nach tierversuchsfreien Alternativen umschauen. Wir konnten mithilfe unserer Aufklärungsarbeit auch schon einige Erfolge im Bereich des Tierschutzes feiern. Doch wir müssen noch mehr Verbraucher erreichen. Je mehr Verbraucher ihren Konsum zugunsten der Tiere umstellen, desto schneller werden die Unternehmen, die Tierversuche immer noch in Kauf nehmen, umdenken.
 
Auf der Homepage wermachtwas.info habt ihr viele Produkte gesammelt und nach einem Ampelsystem hinsichtlich Tierquälereien bewertet. Dabei fällt auf, dass besonders die bekannten Markenprodukte noch immer auf Tierversuche setzen. Warum eigentlich?
Die Antwort ist ganz einfach: Werbung. Denn eine Zahncreme für z.B. ein weißeres Weiß lässt die Kassen klingeln. Aus diesem Grund sind die großen Konzerne immer interessiert an neuen Rohstoffen, die sie entsprechend vermarkten und an den Verbraucher bringen können. Neue Rohstoffe bedeuten aber oftmals auch leider neue Tierversuche.
 
Mit der neuen Kampagne »Kunstpelz ist ECHT« klärt ihr über als Kunstpelz deklarierten Echtpelz auf. Selbst große Ketten verkauften Mützen mit echtem Fell. Warum wird eigentlich echtes Fell statt Kunstfell verwendet und woran erkenne ich als Verbraucher den Unterschied?
Dies wird aus Kostengründen so praktiziert, da selbst ein echtes Katzenfell aus China billiger in der Produktion ist als ein gut gemachter Webpelz.
 
Und trotz des EU-Importverbots vom 1.1.2009 gelangen immer noch (bewusst falsch etikettierte) Hunde- und Katzenfelle nach Europa und werden z.B. als Kunstpelz verkauft oder mit Fantasienamen deklariert, z.B. Gaewolf für Haushund und Genotte für Hauskatze. Als Verbraucher hat man da wenig Möglichkeiten, da die Felle durch Färben und Gerben teilweise so stark verarbeitet wurden, dass nur ein Labortest Sicherheit geben kann. Deshalb – lieber Finger weg von allen Pelzen!
 
Viele Pelz-Befürworter argumentieren, dass Menschen schon immer Pelz tragen. Gibt es eigentlich auch »fair« erzeugten Pelz?
Das mag schon sein, doch hatten die Menschen früher noch keine Alternativen.
 Auch wurde niemals ein Tier nur wegen seines Felles getötet – es diente in erster Linie als notwendiges Nahrungsmittel und damit dem Überleben. Nichts gewinnt allein dadurch an Wert oder wird akzeptabel, nur weil es Teil einer Jahrhunderte oder Jahrtausende zurückliegenden Zeit war. Heutzutage gibt es genügend tierleidfreie Materialien, die viel wärmer halten, zum Beispiel synthetische Stoffe wie Acryl, gebürstete Baumwolle oder Webpelz. Wir sind keine Steinzeitmenschen mehr, die auf Tierfelle angewiesen sind. Außerdem wird Pelz oft nur als Schmuck verwendet – ein Wärmeffekt tritt hier nicht ein. „Fairen“ Pelz gibt es nicht – jedes Tier musste dafür unsägliche Qualen erleiden, auch für das kleinste Stückchen.
 
Ein neuer Lifestyletrend ist auch die vegane Ernährung. Setzt ihr euch auch für den kompletten Verzicht von tierischen Produkten ein? Immerhin würden z.B. Bienen wohl stark bedroht werden, wenn der Mensch sie nicht mehr zur Produktion von Honig schützen würde?
Es ist immer noch ein verrückter Irrglaube, dass die Natur auf den Menschen angewiesen ist. Und gerade der Mensch ist ja auch Schuld an dem Massensterben der Bienen (z.B. durch die verwendeten Pestizide etc.). Animals‘ Liberty ist der Meinung, dass der Veganismus das Ziel sein sollte. Doch wir möchten nicht mit dem erhobenen Zeigefinger agieren. Wir möchten den Weg der Information gehen. Wir wissen ja, dass kein Mensch auf der Welt als Veganer zur Welt gekommen ist. Jeder von uns hatte einen Moment, der ihm die Sinnlosigkeit dieser Ausbeutung von Tieren vor Augen gehalten hat. Und wir möchten dieser Moment sein. Und wir erhalten auch tagtäglich sehr viele Rückmeldungen von Verbrauchern, die durch uns dem veganen Leben eine Chance gegeben haben. Gerade weil sie sich von unserer Art der Tierschutzarbeit nie unter Druck gesetzt gefühlt haben. Unsere Datenbank gestaltet den Weg eher wie eine Selbstverständlichkeit. An einem Tag greift man zum grün gelabelten Shampoo, anstatt zum gelb gelabelten. Am nächsten Tag ist es die Zahncreme. Dann der Allzweckreiniger. Dann die Sahne. Dann der Käse. Und plötzlich merkt man, dass die vegane Lebensweise kein unüberwindbarer Berg ist und keinen Verzicht bedeutet. Es ist wichtig, dass der Verbraucher verinnerlicht, warum er seinen Konsum zugunsten der Tiere umstellen möchte.
 
Besonders auf Facebook verfügt ihr über eine riesige Fangemeinde. Wie wichtig sind die neuen Medien bei der Aufklärung über Tierleid?
Die Arbeit mit sozialen Netzwerken ist das Wichtigste für uns, denn dort verbreiten sich Informationen am Schnellsten. Viele Verbraucher wissen z.B. nicht, dass viele große Markenhersteller auf Tierversuche setzen. Sie erfahren es auf unsere Seite, sind geschockt und teilen diese Information. Und so erfahren es die Freunde, Bekannten, Verwandten. Und deren Freunde usw. Mittlerweile erreichen wir mit unseren Partnern zusammen über 5 Millionen Menschen, alleine über Facebook.
 
Ihr kämpft unentgeltlich für das Recht von Tieren. Wie kann man euch unterstützen?
Auch wir sind natürlich auf Spenden von Tierfreunden angewiesen. Denn ohne diese wären Kampagnen wie „Kunstpelz ist ECHT“ oder überhaupt erst die Datenbank und App gar nicht möglich. Und damit die Tiere endlich auch vor dem Gesetzgeber die Lobby bekommen, die sie brauchen, rufen wir alle Tierfreunde dazu auf, uns in Form einer kostenlosen Mitgliedschaft ihre Stimme für die Tiere zugeben. Wir alle gemeinsam können unsere Stimme erheben und den Gesetzgeber dazu bringen, dem Ruf zu folgen! Ein aktuelles Beispiel: Wir haben beim Deutschen Bundestag eine Petition für die Kennzeichnung von Echtpelzprodukten eingereicht. Innerhalb von 28 Tagen haben wir über 60.000 Unterschriften sammeln können. Damit haben wir das Quorum erreicht und der Ausschuss muss sich mit dem Thema auseinandersetzen – ich wurde zur öffentlichen Sitzung am 23. Juni eingeladen und darf dort unser Anliegen persönlich erläutern. Drückt die Daumen!
 
Das machen wir natürlich und wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Autor: Stefanie Jost

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