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TransCentury Update N2

flyer

TransCentury Update N2

Wann
Sa, 18. November 2017 - 20:00 Uhr
Wo
, Wolfgang-Heinze-Str. 12a, 04277 Leipzig
Haltestellen
Connewitz, Kreuz: 9, 10, 11
Bühne

TransCentury Update N°2: Fun Fare (lpz/ hartnack) Jane Weaver (uk/ fire), Alex Cameron (aus/ Secretly Canadian) & John Maus (us/ Upset the Rhythm)

 

Noch im letzten Jahr trug Alex Cameron ein Hörgerät und maskierte sich mit Falten und Pockennarben, um seiner Kunstfigur, einem gescheiterten Entertainer, so nahe wie möglich zu kommen. Heute ist sein lyrisches Ich eher der Typ Stalker im Trenchcoat. Einer, der sich auf der halbdunklen Tanzfläche besonders creepy an die Ladys ranmacht. Camerons alter ego ist aber nicht nur lüsterner Unhold, sondern eine von Scham, Schuld, Reue und Lust zermarterte Seele: "So I live with a deep regret/ Of all I do on the internet/ And I'm filled with a dirty white guilt". Und schiebt dem Geständnis gleich noch einen so mächtig drückenden Groove mit seichter Saxofonumspülung unter, dass man nur sagen kann: zermartert, ja, aber stellenweise auch arschcool. Ging es auf „Jumping the shark“ um nicht eingelöste mediale Lustversprechen und Showbiz-Zerwürfnisse, parodiert Cameron auf „Forced Witness“ alle Facetten von Mackergehabe und verkörpert den Abstieg weißer Männlichkeit. Musikalisch gerahmt wird das Ganze mit tropischem Groove, Kitsch getränktem 80s-Revival und Roy Malloys samtiges Saxofon.


Nach 22 Jahren in allen möglichen Nischen von Folk über Kraut bis Bibliotheksmusik, zwei Bandgründungen und -auflösungen (Kill Laura – Britpop unter New-Order-Management und Misty Dixon – Folkwhatevertronica, diverse Singles, mysteriöses Ableben des Schlagzeugers) und einer Weiterbildung zur Labelchefin ist die Liverpoolerin nun angekommen: am Anfang. Ihr aktuelles, achtes Soloalbum „Modern Kosmology“ ist genau genommen ihr drittes. Weil es ein Kreisschluss ist und nahtlos an seinen Vorvorgänger „The Silber Globe“ anknüpft, wo dieser die totale Wende zur Phantasmagorie einleitete. „Modern Kosmology“ ist wie ein Sommer auf Polaroid. Und da steckt einiges drin: Kraut-Rock (das K in Kosmology!), Psych, Folk, aber auch Dreampop und Shoegaze. Es ist warm, versprüht grobkörnige Vintage-Gefühle und lässt abdriften. Einflüsse wie "Amon Düül", "Broadcast" und "Can" sind offensichtlich. Umrahmt wird Jane Weavers versatiles Songwriting allerdings von einem ausgeprägten Pop-Gestus, der ihren Retrofuturismus im Jetzt verankert. Ihre Klangutopien flehen danach, sich in ihnen niederzulassen, so schön muten sie an, so verlockend rufen Weavers überwältigende Stimme und ihr opulenter, analoger Synthesizer-Chor.

Epic kraut-pop opera teeming with motorik rhythms and analogue synths.” (NPR)

 

Seit 2011 war es ziemlich still um John Maus. Ob die sechsjährige Pause damit zusammenhängt, dass er seinen Doktor in Politikwissenschaft machte, ist nicht bekannt. Dass Maus die Gedankenwelt Wissenschaft und Musik auf ganz andere Weise schon seit seinem Debüt von 2006 verbindet, ist jedoch längst bekannt. Die BBC berichtete vor ein paar Jahren erstaunt, dass der Mann aus Minnesota gleichermaßen berufsmäßiger Existenzphilosoph wie Synth-Pop-Musiker sein müsse. Anders seien die langen und wissenschaftlich profunden Interviews, die er gefühlt einmal im Schaltjahr gibt, nicht zu erklären. Doch auch seiner Musik und nicht zuletzt den seltenen Konzerten haftet etwas Existenzielles an. Das liegt nicht bloß daran, dass Maus im Titel seines 2011 erschienenen dritten (und bislang letzten) Albums We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves den französischen Philosophen Alain Badiou zitiert, sondern auch an der aufreibenden Energie seiner Konzerte, bei denen er sich jedes Mal aufs Neue selbst zerfleischt.

Wer das noch nicht gesehen hat, sollte das einzige Headliner-Konzert des Jahres respektive den Festivalauftritt in Leipzig keinesfalls verpassen – oder womöglich sechs weitere Jahre warten.

 

Fun Fare aus Leipzig sind seit 2015 damit beschäftigt, ihre seltsam melodiös-melancholische Melange aus Postpunk-Scrappiness, Psychedelic-Rudimenten und mürrischem, repetitiven Gesängen zusammenzubringen. Im April 2016 erschien das erste Tape 'Wrong Gong', mit acht Songs auf dem DIY-Label Hartnack Rec. in Leipzig. Der eingedellte, wellige Gong auf dem Cover steht offenbar für die (Un-)möglichkeit, Tanzbarkeit, Experiment und mantrahafte Texte zu vereinen, in einer Art 'desired bipolar Union'.
 

Infos & Musik:

http://www.transcenturyupdate.com

https://funfare.bandcamp.com

https://janeweavermusic.com

https://www.residentadvisor.net/news.aspx?id=39850

https://alkcm.bandcamp.com

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